Ein Überblick und kritisch betrachtet
1. Positive Entwicklungen
a) Elektroautos sind kein Nebenschauplatz mehr
- Deutsche Hersteller wie VW, BMW und Mercedes haben auf der IAA 2025 gezeigt: Sie können inzwischen überzeugende E-Modelle vorlegen.
- Es gab Neuheiten, Konzepte und Serienfahrzeuge, die in Technik, Reichweite und Qualität deutlich nach vorn gekommen sind.
b) Elektrooffensive & Investitionen
- Die Hersteller planen weitere neue Elektromodelle, Ausweitungen der Produktionskapazitäten, und setzen zunehmend auf Elektrifizierung in ihren Produktportfolios.
- Auch der Druck wächst, Lieferketten nachhaltiger zu gestalten, z. B. der Einsatz von grünem Stahl. Zwar noch nicht führend, aber Bewegung ist da.
2. Kritikpunkte und Widersprüche
a) Ambivalente Signale zum Verbrennerverbot
- Viele Akteure der deutschen Herstellerseite und Politik drücken in München den Wunsch aus, das geplante EU-Verbot neuer Verbrennermotoren ab 2035 zu überdenken, zu flexibilisieren oder gar aufzuheben.
- Parallel zeigen sie stolz ihre Elektroautos – was grundsätzlich positiv ist – aber gleichzeitig wollen sie sich den Weg offenhalten, weiterhin auf Verbrennertechnik zu setzen, sei es durch Hybridvarianten, E-Fuels oder Verbrenner als „Übergangslösung“.
b) Wirtschaftlicher Druck & Angst vor Arbeitsplatzverlusten
- Viele Hersteller argumentieren mit Kosten, mit der finanziellen und infrastrukturellen Herausforderung (Ladeinfrastruktur, Stromnetz, etc.), sowie mit dem Schutz von Arbeitsplätzen. Diese Argumente wurden oft in Debatten hervorgehoben, um mehr Spielraum oder Zeit zu fordern.
- Es gibt Studien, wonach sich Gewinne abschwächen und Marktanteile verloren gehen, insbesondere gegenüber Konkurrenten aus China und den USA.
c) Imageprobleme & Preis-/Design-Kritiken
- Viele Besucher und Leser beklagten auf der IAA, dass die ausgestellten Elektroautos oft teuer sind. Für Durchschnittsverbraucher ist der Preis oft noch eine große Hürde.
- Auch das Design – z. B. großer SUVs – wurde als überladen, nicht innovativ genug im Sinne von Umwelt- und Stadtverträglichkeit kritisiert.
3. Wie haben sich die deutschen Hersteller in Elektro-Mobilität geschlagen?
Sie haben Fortschritte gemacht, insbesondere in:
- Produktqualität: Reichweiten, Komfort, Ausstattung werden wettbewerbsfähiger.
- Portfolioerweiterung: Mehr Elektro-Modelle, stärkere Investitionen in Technologien rund um Batterie, Ladeinfrastruktur etc.
- Signalwirkung: Mit den neuen E-Autos können sie zeigen, dass sie mit der Transformation mithalten wollen bzw. müssen.
Aber:
- Sie sind behindert durch interne Widersprüche: Einerseits wollen sie die Transformation, andererseits wollen sie ihre traditionellen Hochgewinngeschäfte mit Verbrennern möglichst lange aufrechterhalten.
- Im Vergleich mit bestimmten Konkurrenten (z. B. Hersteller aus China) wirkt das Tempo der Transformation noch immer moderat – meist wegen regulatorischer, technischer oder finanzieller Unsicherheit.
4. Kritische Reflexion: Wunsch nach Erhalt der „alten“ Technik
Ein zentraler Kritikpunkt ist, dass deutsche Hersteller und mit ihnen Teile der Politik sich wünschten, das Verbrennerverbot aufzuheben oder zumindest zu verschieben. Warum ist das problematisch?
- Planungssicherheit leidet: Politische Ankündigungen, dass man „flexibel“ sein will, erzeugen bei Investoren, Zulieferern und beim eigenen Entwicklungspersonal Unsicherheit. Wenn man nicht weiß, ob der Invest in E-Plattformen und Batteriewerke sich rechnet, wird investiert eher vorsichtig.
- Gefahr von Engpässen & Infrastrukturschwäche: Wenn man weiterhin stark auf Verbrennertechnik setzt, verschiebt man notwendige Anstrengungen beim Ausbau der Ladeinfrastruktur, beim Stromnetz, bei erneuerbaren Energien. Gleichzeitig leidet die Klima- und Umweltbilanz.
- Wettbewerbsnachteil in der Zukunft: Wer heute noch stark in Verbrennertechnik investiert oder diese weiter hoher Stückzahlen plant, der verliert möglicherweise den Anschluss bei Elektromobilität, wo die Margen und die Nachfrage wachsen. Außerdem kann technologische Entwicklung und Innovation dort schneller voranschreiten (z. B. bei Batterietechnologien, Software, Ladeleistung).
- Politisch und gesellschaftlich schwer vermittelbar: Angesichts der Klimaziele und der öffentlichen Debatte wird das Festhalten am Verbrenner zunehmend kritisiert – auch bei Kunden, bei Umweltorganisationen und auf EU/Ebene. Hier kann das Festhalten an der alten Technik auch Reputation kosten.
5. Fazit
Die IAA 2025 war in vielerlei Hinsicht ein wichtiger Indikator dafür, dass sich die deutsche Automobilindustrie in der Elektromobilitätswende bewegt – nicht mehr zaghaft, sondern mit größerem Einsatz. Aber sie bleibt gehemmt durch zögerliche Signale, durch den Wunsch, Altes zu bewahren, und durch politischen Druck, der Flexibilität oder sogar Rückschritte einfordert.
Wenn Deutschland und die großen Hersteller es schaffen wollen, den Wandel erfolgreich zu gestalten, dann müssten sie:
- klarer zu ihrer Elektrosstrategie stehen, ohne ständige Hintertürchen für Verbrennertechnik;
- drastisch in Ladeinfrastruktur, Stromnetze und erneuerbare Energien investieren, damit Elektroautos nicht nur technisch gut sind, sondern auch alltagstauglich für breite Schichten;
- günstige Elektroautos anbieten, um den Preisabstand zu Verbrennern zu verringern;
- sich stärker an nachhaltigen Lieferketten orientieren und Innovation schneller umsetzen, um gegenüber globaler Konkurrenz nicht ins Hintertreffen zu geraten.
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