Massiver Rückruf bei Volkswagen: Fast 100.000 MEB-Stromer müssen in die Werkstatt

Der Volkswagen-Konzern steht vor einer logistischen und technischen Herausforderung: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat einen umfassenden Rückruf für fast 100.000 Elektrofahrzeuge auf Basis des Modularen E-Antriebs-Baukastens (MEB) veröffentlicht. Im Fokus stehen dabei Unregelmäßigkeiten an der Hochvoltbatterie, die im Extremfall ein Sicherheitsrisiko darstellen können.

Das technische Problem: Wenn Module aus der Reihe tanzen

Der Kern der Rückrufaktion mit dem internen VW-Code 93MI (sowie 93S4 bei Cupra) liegt in der Hardware der Antriebsbatterie. Laut offiziellen Angaben des KBA entsprechen einzelne Batteriemodule nicht den vorgegebenen Spezifikationen.

Was technisch trocken klingt, hat für die Halter spürbare Folgen:

  • Reichweitenverlust: Betroffene Zellen können eine verringerte Kapazität aufweisen.
  • Warnmeldungen: Im Cockpit kann eine gelbe Kontrollleuchte auf ein Problem im elektrischen System hinweisen.
  • Brandgefahr: Als kritischste Folge wird eine potenzielle thermische Überlastung genannt, die im schlimmsten Fall zu einem Fahrzeugbrand führen kann.

Bisher sind dem Konzern glücklicherweise keine Personen- oder Sachschäden im Zusammenhang mit diesem spezifischen Mangel bekannt. Dennoch stuft das KBA die Maßnahme als sicherheitsrelevant ein.

Wer ist betroffen? Die nackten Zahlen

Insgesamt sind weltweit 94.031 Fahrzeuge betroffen, davon allein rund 28.000 in Deutschland. Die Verteilung innerhalb des Konzerns zeigt, dass vor allem die Kernmarke VW sowie die sportliche Tochter Cupra betroffen sind:

MarkeBetroffene ModelleProduktionszeitraum
VolkswagenID.3, ID.4, ID.5, ID. Buzz, ID. Buzz Cargo24. Juni 2023 bis 23. August 2024
CupraBorn07. Februar 2022 bis 21. April 2024

Interessanterweise scheinen baugleiche Modelle wie der Audi Q4 e-tron oder der Škoda Enyaq in dieser spezifischen KBA-Meldung (Referenz 16271R) bisher nicht im gleichen Umfang aufzutauchen, was auf spezifische Chargen bei den Zelllieferanten oder Unterschiede in der Modulmontage hindeutet.

Abhilfe: Ein zweistufiges Verfahren

Volkswagen setzt auf eine Kombination aus Software und Mechanik, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen:

  1. Software-Update: Zunächst wird ein Update aufgespielt, das die Diagnosefähigkeiten des Batteriemanagementsystems (BMS) verbessert. Ziel ist es, Zell-Anomalien frühzeitiger und präziser zu erkennen.
  2. Hardware-Check: Jedes Fahrzeug muss physisch in die Werkstatt. Dort werden die Batteriemodule einzeln geprüft. Nur wenn ein Modul tatsächlich die Spezifikationen unterschreitet, wird es gegen ein Neuteil ausgetauscht.

Ein Déjà-vu für den Konzern

Dieser Rückruf ist nicht der erste seiner Art im Jahr 2026. Bereits im Januar gab es eine kleinere Aktion (Code 93MU) für rund 300 Fahrzeuge. Der aktuelle Umfang zeigt jedoch eine neue Dimension. Branchenexperten sehen darin ein Symptom für die anhaltenden Herausforderungen in der globalen Batterielieferkette. Während die MEB-Plattform grundsätzlich als sehr robust gilt – viele Nutzer berichten selbst nach harten Wintern von einer tadellosen Zuverlässigkeit –, kratzen solche Aktionen am Image der „unkaputtbaren“ deutschen Wertarbeit.

Was Halter jetzt tun sollten: Volkswagen kontaktiert die betroffenen Besitzer derzeit schriftlich. Wer unsicher ist, ob das eigene Fahrzeug betroffen ist, kann über die Volkswagen-Webseite oder das KBA-Portal unter Angabe der Fahrgestellnummer (VIN) den Status prüfen. Der Werkstattaufenthalt ist für Kunden kostenlos, kann jedoch je nach Diagnose der Batterie ein bis zwei Tage in Anspruch nehmen.

© Text / Bild e-news.ch 2026

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