Wer heute Morgen die Bilanzen aus Wolfsburg und Zuffenhausen liest, braucht starke Nerven. Der Volkswagen-Konzern meldet einen massiven Gewinneinbruch, und selbst die einstige Cash-Cow Porsche gerät ins Straucheln. Während die Chefetagen noch über die richtige Antriebsart philosophieren, erhalten die Autofahrer an den Zapfsäulen die Quittung für eine verschleppte Transformation.
Die nackten Zahlen: Ein Sturzflug mit Ansage
Das Konzernergebnis nach Steuern bei VW ist im Geschäftsjahr 2025 um satte 44 % auf 6,9 Milliarden Euro eingebrochen. Noch dramatischer liest sich die Bilanz der Markengruppe rund um Porsche: Die operative Marge, die jahrelang bei stolzen 15 % und mehr lag, ist zeitweise auf homöopathische 0,3 % zusammengeschrumpft.
Die Gründe für das Desaster:
- Zick-Zack-Kurs: Die Rückkehr zur Investition in Verbrenner-Plattformen („Verbrenner-Verlängerung“) hat Milliarden verschlungen, ohne den erhofften Absatz zu bringen.
- Geopolitische Zölle: Neue US-Importzölle belasten die Bilanzen massiv.
- Strukturkrise: Rund 50.000 Stellen stehen konzernweit zur Disposition.
Die Verbrenner-Falle: Wenn Tanken zum Luxus wird
Während die Industrie mit ihrer Strategie ringt, spüren die Bürger die Folgen eines „Weiter-so“ direkt im Geldbeutel. Wer in den letzten zwei Jahren auf einen neuen Verbrenner gesetzt hat, steht heute vor einem Scherbenhaufen der Kalkulierbarkeit.
An den Tankstellen herrscht Ausnahmezustand. Die Preise sind explodiert:
- Diesel: Vielerorts bereits über 2,20 Euro pro Liter.
- Super E5: Hat die Marke von 2,10 Euro längst gerissen.
Der Tankstellen-Interessensverband (TIV) warnt bereits davor, dass dies erst der Anfang ist. Prognosen von 2,50 Euro pro Liter sind ein realistisches Szenario für den Sommer 2026. Wer jetzt noch einen Verbrenner kauft, kauft ein finanzielles Risiko.
Der Faktencheck: Die gnadenlose Amortisations-Rechnung
Wie sehr sich das Blatt gewendet hat, zeigt eine einfache Kalkulation der Betriebskosten (Stand heute):
| Kostenpunkt (pro 100 km) | Moderner Diesel (6,0 L Verbrauch) | Elektroauto (18 kWh Verbrauch) |
| Kraftstoff/Strom | 13,50 € (bei 2,25 €/L) | 7,20 € (bei 0,40 €/kWh Mix) |
| Ersparnis pro 100 km | – | 6,30 € |
Das Ergebnis: Bei einer Fahrleistung von 15.000 km pro Jahr spart der E-Auto-Fahrer allein beim „Tanken“ rund 945 Euro jährlich. Rechnet man die geringere Kfz-Steuer (Befreiung der KFZ-Steuer bei BEV 10 Jahre, max. bis 31.12.2035) , die THG-Quote und die deutlich niedrigeren Wartungskosten (kein Ölwechsel, weniger Bremsenverschleiß) hinzu, summiert sich der Vorteil auf ca. 1.500 Euro pro Jahr.
Selbst wenn ein vergleichbares E-Auto in der Anschaffung heute noch 5.000 Euro teurer ist als ein Verbrenner (nach Abzug von Rabatten), ist dieser Mehrpreis bereits nach knapp über drei Jahren allein durch die Betriebskosten wieder eingespielt. Jedes weitere Jahr ist reiner Gewinn für den Geldbeutel – während der Verbrenner-Fahrer bei jedem Preissprung an der Zapfsäule tiefer in die Tasche greifen muss.
Die chinesische Zange: Rabatte als letzte Rettung?
In diese Wunde legen die chinesischen Hersteller nun genüsslich den Finger. Während VW und Porsche mit hohen Produktionskosten kämpfen, fluten Marken wie BYD und MG den Markt mit attraktiven Stromern – unterstützt durch aggressive Rabattaktionen.
In Kombination mit den explodierenden Spritpreisen wird der Preisabstand zwischen einem teuren, unsicheren Verbrenner und einem hocheffizienten Stromer aus China immer eklatanter. Wenn die deutsche Automobilindustrie nicht schleunigst den Fokus zurück auf bezahlbare, rein elektrische Volumenmodelle legt, wird sie zwischen Tankstellen-Preisschock und chinesischer Preiskampf-Taktik zerrieben.
Fazit: Das Ende der Ausreden
Die Krise bei VW und Porsche zeigt: Das Festhalten am Verbrenner rettet weder die Rendite noch die Arbeitsplätze. Im Gegenteil: Es macht die Kunden zu Geiseln der Ölkonzerne. Wer jetzt noch in einen Verbrenner investiert, handelt angesichts der Datenlage ökonomisch riskant. Die Quittung wird nicht mehr nur in Wolfsburg ausgestellt, sondern täglich an der Zapfsäule.
© Text / Bild e-news.ch 2026

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