Das Fairphone 4 war bei seinem Erscheinen im Jahr 2021 ein Versprechen an die Ewigkeit: Ein Smartphone, das nicht nach zwei Jahren zum Elektroschrott wird. Doch im Januar 2026 steht das Gerät an einem Scheideweg. Während die Hardware dank modularer Bauweise glänzt, sorgt das jüngste Update auf Android 15 für heftige Diskussionen in der Tech-Community.
Der ungewöhnliche Update-Pfad: Der Sprung über Android 14
Das Fairphone 4 startete im Oktober 2021 mit Android 11. Nach den planmäßigen Updates auf Android 12 und 13 folgte 2025 eine Überraschung: Fairphone entschied sich offiziell dazu, Android 14 komplett zu überspringen.
Der Grund: Der verbaute Chipsatz, der Qualcomm Snapdragon 750G, hat das Ende seines offiziellen Support-Zyklus durch den Hersteller erreicht. Fairphone musste die Entwicklung des Kernels (der Schnittstelle zwischen Hardware und Software) komplett in Eigenregie übernehmen. Um Ressourcen zu bündeln und die Lebensdauer des Geräts bis 2026 (oder sogar 2028) zu maximieren, entschied man sich, direkt auf Android 15 zu setzen.
Die Zertifizierungs-Falle: Was bedeutet „Nicht zertifiziert“?
Seit dem Rollout Ende 2025 berichten Nutzer gehäuft, dass ihr System in den Play Store-Einstellungen als „Gerät ist nicht zertifiziert“ angezeigt wird. Das ist kein kleiner Bug, sondern ein fundamentales Problem für die Alltagstauglichkeit.
Warum ist das passiert? Damit ein Gerät als „Google-zertifiziert“ gilt, muss es die sogenannten CTS (Compatibility Test Suite) bestehen. Da Fairphone für das Fairphone 4 Android 15 auf einer Kernel-Basis (Linux Kernel 4.19) realisieren muss, die von Google für Android 15 eigentlich nicht mehr vorgesehen ist, treten Inkompatibilitäten auf. Google verweigert in solchen Fällen oft die offizielle Segnung, wenn Sicherheitsstandards der Hardware-Abstraktionsebene nicht zu 100 % erfüllt werden.
Die massiven Nachteile für Nutzer
Ein nicht zertifiziertes Android-System bringt im Jahr 2026 erhebliche Einschränkungen mit sich:
- Banking-Apps & Google Pay: Viele Finanz-Apps nutzen die Play Integrity API. Schlägt diese fehl, lassen sich Banking-Apps oft gar nicht erst starten oder kontaktloses Bezahlen wird deaktiviert.
- Streaming in SD-Qualität: Ohne Zertifizierung verliert das Gerät oft sein Widevine L1-Zertifikat. Die Folge: Netflix, Disney+ und Prime Video streamen nur noch in matschiger 480p-Auflösung.
- Sicherheitsrisiken: Google garantiert bei unzertifizierten Geräten nicht, dass die monatlichen Sicherheits-Patches korrekt ins System integriert wurden.
- App-Verfügbarkeit: Einige Apps werden im Play Store für das Gerät schlicht nicht mehr als „kompatibel“ angezeigt.
Hardware-Lichtblick: Ersatzteile weiterhin top
Trotz der Software-Turbulenzen hält Fairphone sein Hardware-Versprechen. Wer heute ein neues Display, einen Akku oder ein Kameramodul für sein FP4 benötigt, kann diese problemlos im Onlineshop bestellen. Die Produktion des Geräts wurde zwar Ende 2024 eingestellt, doch die Ersatzteilversorgung ist bis mindestens 2028 gesichert. Dies unterstreicht den bizarren Kontrast: Man kann das Handy physisch ewig am Leben erhalten, während die Software-Basis bröckelt.
| Pro (Strategie Fairphone) | Contra (Nutzererfahrung) |
| Maximale Lebensdauer: Android 15 bringt moderne Features auf alte Hardware. | Eingeschränkte Nutzbarkeit: Ohne Banking und HD-Streaming ist es kein vollwertiges Smartphone mehr. |
| Unabhängigkeit: Fairphone beweist, dass sie Chipsätze länger unterstützen können als Qualcomm. | Stabilitätsprobleme: Nutzer berichten von „Lags“ und Bootloops nach dem Update. |
| Ressourcenschonung: Ein Update spart den Neukauf eines Fairphone 6. | Vertrauensverlust: Die fehlende Zertifizierung wirkt unprofessionell für ein 600€-Gerät. |
Fazit: Fairphone ist ein Wagnis eingegangen, um die geplante Obsoleszenz der Chip-Hersteller zu durchbrechen. Technisch ist es eine Meisterleistung, Android 15 auf diesen alten Kernel zu portieren. Doch für den Endanwender ist der Preis hoch: Wer auf mobiles Bezahlen und sicheres Banking angewiesen ist, für den fühlt sich das Fairphone 4 aktuell eher wie ein „Bastler-Projekt“ als wie ein verlässliches Werkzeug an.
Es bleibt zu hoffen, dass Fairphone durch Software-Patches eine nachträgliche Zertifizierung erwirken kann – ansonsten könnte dieser mutige Schritt als Warnung in die Geschichte der nachhaltigen IT eingehen.
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