2,049 Euro für einen Liter Super E5. Diesel kratzt mancherorts an der nächsten Rekordmarke. Während Autofahrer fassungslos auf die Preistafeln starren, stellt sich für die Branche eine existenzielle Frage: Haben VW, Audi, Porsche und Co. aufs falsche Pferd gesetzt, als sie den Rückwärtsgang beim Elektro-Umstieg einlegten?
Das teure Erwachen aus dem Verbrenner-Traum
Noch vor wenigen Monaten schien die Welt für die Verfechter des Kolbenmotors wieder in Ordnung. Angesichts stagnierender Absatzzahlen bei E-Autos ruderten Schwergewichte wie VW, Audi und sogar die Luxus-Schmiede Porsche zurück. Man investierte wieder massiv in die Weiterentwicklung von Verbrennungsmotoren, strich ambitionierte Elektro-Ziele zusammen und pflegte das Narrativ der „Technologieoffenheit“.
Doch die aktuelle Preisexplosion an den Tankstellen wirkt wie ein Brandbeschleuniger für die Verkehrswende. Wer heute 100 Euro für eine Tankfüllung bezahlt, die kaum eine Woche reicht, stellt die TCO-Rechnung (Total Cost of Ownership) ganz neu auf. Der „Schlingerkurs“ der Hersteller könnte sich nun als historischer Fehlkalkulation erweisen. Wer die Produktion von E-Plattformen gedrosselt hat, steht jetzt ohne die nötigen Kapazitäten da, wenn die Nachfrage – getrieben durch den Schmerz im Portemonnaie – schlagartig zurückkehrt.
Geiselhaft der Mineralöl-Lobby?
Es herrscht ein ungutes Gefühl in der Bevölkerung: Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wird in Momenten wie diesen zur spürbaren Fessel. Während die Automobilindustrie jahrelang die Nähe zur Mineralöl-Lobby suchte, um das Verbrenner-Verbot für 2035 aufzuweichen oder durch Hintertüren wie E-Fuels zu retten, zeigt die Realität gerade die hässliche Fratze dieser Symbiose.
Ein ganzes Land scheint in ökonomischer Geiselhaft zu sein, weil die Infrastruktur und das Angebot der Industrie noch immer zu stark am Tropf des Erdöls hängen. Die Elektromobilität ist längst keine reine Umweltentscheidung mehr – sie ist die Entscheidung für strategische Unabhängigkeit.
Der Gebrauchtmarkt: Die Karten werden neu gemischt
Die Auswirkungen auf den Markt sind bereits spürbar:
- Gebrauchte Verbrenner: Wer will jetzt noch einen durstigen SUV kaufen? Die Restwerte für reine Benziner und Diesel könnten innerhalb weniger Wochen massiv unter Druck geraten. Ein Auto, das im Unterhalt unberechenbar teuer wird, verliert als Asset massiv an Attraktivität.
- Gebrauchte E-Autos: Lange Zeit wurden gebrauchte Stromer aufgrund der Unsicherheit über die Batterielebensdauer skeptisch betrachtet. Jetzt schlägt das Pendel um. Ein gebrauchtes E-Auto, das man günstig mit Photovoltaik oder zu moderaten Strompreisen laden kann, wird plötzlich zum begehrten Goldstaub auf dem Gebrauchtwagenmarkt.
Fazit: Die Quittung für die Verzögerungstaktik
Die Diskussionen über das Aufweichen des 2035-Ziels wirken angesichts der aktuellen Spritpreise fast schon surreal. Während die Politik und einige Vorstandsetagen noch über „Übergangsfristen“ debattieren, hat die Realität an der Zapfsäule Fakten geschaffen.
Die Elektromobilität ist nicht mehr nur die Zukunft – sie ist die einzige logische Antwort auf die Gegenwart. Die Hersteller, die jetzt keine lieferfähigen, bezahlbaren Stromer auf dem Hof stehen haben, werden die Quittung für ihren Zick-Zack-Kurs erhalten. Mobilität mit Verbrennern ist für den Durchschnittsbürger bald schlicht nicht mehr zu bewerkstelligen.
© Text / Bild e-news.ch 2026

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