Sie sind preiswert, technologisch führend und fluten den europäischen Markt: E-Autos aus China. Doch während Marken wie BYD, MG oder Xiaomi Rekordabsätze feiern, wächst im Hintergrund eine dunkle Sorge. Experten und Geheimdienste warnen vor einer „Gefahr per Knopfdruck“. Sind unsere Autos längst zu mobilen Überwachungsstationen geworden – und könnten sie im Ernstfall sogar fernaktiviert werden?
Die Hardware ist der Schlüssel: Mehr als nur Blech
Moderne Elektroautos sind heute „Software-Defined Vehicles“ (SDV). Das bedeutet: Nicht der Motor, sondern der Computer ist das Herzstück. Ein typisches modernes E-Auto ist mit bis zu 12 bis 20 hochauflösenden Kameras, Ultraschall-Sensoren, Lidar und permanenten Mikrofonen ausgestattet.
Was für den Komfort (autonomes Fahren, Einparkhilfen) unerlässlich ist, stellt sicherheitstechnisch ein potenzielles Trojanisches Pferd dar. Der thüringische Verfassungsschutz-Chef Stephan Kramer warnte erst vor wenigen Tagen (Stand Januar 2026) erneut davor, dass diese Fahrzeuge „Datenabschöpfung im großen Stil“ betreiben.
Die Theorie der Fernsteuerung: Realität oder Panikmache?
Das wohl beängstigendste Szenario ist die Fernsteuerung oder Stilllegung ganzer Fahrzeugflotten.
- Der „Kill Switch“: Da fast alle Funktionen über Over-the-Air-Updates (OTA) gesteuert werden, könnte ein Hersteller theoretisch aus der Ferne die Bremsen blockieren, die Lenkung manipulieren oder das Auto schlichtweg lahmlegen.
- Der Bus-Leak aus Norwegen: Im Jahr 2025 sorgte ein Fall in Norwegen für Aufsehen, bei dem festgestellt wurde, dass sich Elektrobusse des chinesischen Herstellers Yutong tatsächlich über versteckte Schnittstellen fernsteuern ließen.
- Geopolitische Waffe: In einem Konfliktfall könnten zehntausende Fahrzeuge auf europäischen Autobahnen gleichzeitig gestoppt werden – ein digitales Szenario, das die Infrastruktur eines ganzen Landes binnen Minuten lahmlegen könnte.
Datenhunger im Vergleich: China vs. Tesla
Oft wird eingewandt: „Tesla sammelt doch auch alles!“ Das stimmt. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied in der rechtlichen Handhabe.
| Feature | Chinesische Hersteller (BYD, NIO, etc.) | Tesla (USA) |
| Datenvolumen | Schätzungsweise 5 bis 10 GB pro Stunde Fahrt. | Bis zu 1 TB pro Monat (je nach FSD-Nutzung). |
| Speicherort | Oft Server in China (trotz DSGVO-Beteuerungen). | Primär USA/EU; lokale Server in China für China-Fahrzeuge. |
| Staatlicher Zugriff | Nationales Sicherheitsgesetz: Unternehmen müssen Daten auf Anfrage an den Staat abgeben. | Zugriff durch US-Behörden möglich (Cloud Act), aber rechtlich anfechtbar. |
| Besonderheit | Kameras im Innenraum oft standardmäßig zur Müdigkeitserkennung aktiv. | „Sentry Mode“ (Wächtermodus) steht in der EU wegen Datenschutz unter Kritik. |
Tesla sammelt massenhaft Videodaten, um die Autopilot-KI zu trainieren. Die Menge an Fahrdaten, die Tesla täglich weltweit generiert, entspricht etwa 500 Jahren Fahrzeit. Der Unterschied liegt jedoch im politischen System: In China verschwimmen die Grenzen zwischen Privatwirtschaft und staatlicher Kontrolle.
Warum jetzt die Aufregung?
Anfang 2026 haben sowohl die USA als auch die EU ihre Untersuchungen verschärft. Der Verdacht: Chinesische Elektroautos könnten gezielt sensible Infrastrukturen abfotografieren.
- Militärische Sperrzonen: In China selbst dürfen Teslas bestimmte Regierungsbezirke und Militärstützpunkte nicht befahren.
- Gegenreaktion im Westen: In den USA wird bereits über ein komplettes Verbot chinesischer Kommunikationsmodule in Fahrzeugen nachgedacht. Die Sorge ist, dass die Fahrzeuge nicht nur Nutzerprofile erstellen, sondern die Umgebung (Brücken, Kraftwerke, Kasernen) in 3D kartografieren.
Kritische Fragen, die wir uns stellen müssen
- Wer besitzt die Souveränität? Wenn mein Auto ohne Internetverbindung und Freigabe durch den Hersteller nicht mehr startet, bin ich dann noch Eigentümer oder nur noch Mieter auf Gnaden der Software-Abteilung?
- Transparenz der Blackbox: Warum gibt es keine unabhängige Instanz, die den Quellcode von OTA-Updates prüft, bevor diese auf europäische Straßen losgelassen werden?
- Datenschutz vs. Sicherheit: Rechtfertigen wir den Verlust unserer Privatsphäre (Innenraumkameras, Stimmanalyse) wirklich nur mit einem etwas besseren Spurhalteassistenten?
- Der Gebrauchtmarkt: Was passiert mit den Daten, wenn ein hochvernetztes China-Auto nach drei Jahren verkauft wird? Bleiben die Profile der Vorbesitzer in den chinesischen Clouds gespeichert?
Fazit
Chinesische E-Autos sind technologische Wunderwerke zu Kampfpreisen. Doch der Preis könnte höher sein als der auf dem Preisschild. Während Tesla die Daten vor allem für den kommerziellen Vorsprung nutzt, schwingt bei chinesischen Marken immer die geopolitische Komponente mit. Solange es keine klaren EU-weiten Sicherheitsstandards für die Software-Infrastruktur gibt, bleibt das E-Auto ein potenzielles Spionagewerkzeug in der Garage.
© Text / Bild e-news.ch 2026

