Markt-Check 2026: Warum das E-Auto gerade jetzt den Verbrenner abhängt

Der deutsche Automobilmarkt erlebt aktuell eine paradoxe Situation: Während die Gesamtzahlen der Neuzulassungen spürbar zurückgehen, feiern reine Elektroautos (BEVs) Rekordwerte. Ein genauer Blick auf die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) für den Jahresstart 2026 zeigt: Die Mobilitätswende hat einen neuen Gang eingelegt.

Die nackten Zahlen: Ein Markt im Wandel

Der Januar 2026 war für die Automobilbranche eigentlich ein Dämpfer. Mit insgesamt rund 194.000 Neuzulassungen verzeichnete der Gesamtmarkt ein Minus von 6,6 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Besonders hart traf es klassische Verbrenner: Benziner und Diesel verloren teilweise bis zu 30 % an Boden.

Doch mitten in dieser Flaute gibt es einen klaren Gewinner: Das Elektroauto.

  • Wachstum: +23,8 % bei den reinen Stromern (BEVs).
  • Marktanteil: Mit 22 % knackt die E-Mobilität eine psychologisch wichtige Marke. Fast jeder vierte Neuwagen in Deutschland fährt inzwischen rein elektrisch.

Gewinner und Verlierer: Das neue Ranking

Die Machtverhältnisse auf dem deutschen Asphalt verschieben sich. Während der Branchenprimus Volkswagen mit einem Minus von 17,5 % zu kämpfen hat (obwohl er mit fast 20 % Marktanteil insgesamt noch führt), stürmen andere Marken nach vorne.

  1. Opel & Skoda: Die Traditionsmarken profitieren von ihrer frühen Investition in bezahlbare Elektromodelle. Opel legte um beeindruckende 27,4 % zu, während Skoda mit einem Plus von 12,2 % stärkste Importmarke bleibt.
  2. Der China-Faktor: BYD setzt seinen Siegeszug fort. Mit einem Zuwachs von über 600 % im Vergleich zum Vorjahr zeigt der Weltmarktführer aus China, dass er auch in Deutschland zur ernsthaften Konkurrenz für Premiumhersteller wird.
  3. Premium-Segment: BMW hält sich mit einem Plus von 5,4 % stabil, was vor allem auf die hohe Nachfrage nach den Vorboten der „Neuen Klasse“ zurückzuführen ist.

Der „Turbo“: Die neue Kaufprämie 2026

Ein wesentlicher Treiber für das aktuelle Wachstum ist das im Januar 2026 gestartete sozial gestaffelte Fördersystem. Nachdem die Förderung Ende 2023 abrupt gestoppt wurde, sorgt das neue Paket nun für Planungssicherheit. Mit bis zu 6.000 € Zuschuss (einkommensabhängig) werden Elektroautos besonders für Privatkäufer wieder attraktiv. Experten sehen hierin den Grund, warum der Privatmarkt – der lange Zeit schwächelte – im Januar das stärkste BEV-Ergebnis seiner Geschichte feierte.

Ausblick: Was bringt das restliche Jahr 2026?

Die Talsohle scheint durchschritten. Mit der Markteinführung der sogenannten „Volks-Stromer“ wie dem VW ID. Polo (Startpreis ca. 25.000 €) und dem Skoda Epiq wird das Segment unter 30.000 Euro endlich besetzt.

Gleichzeitig schielt die Branche gespannt auf technologische Durchbrüche: Die 800-Volt-Technik, bisher Oberklasse-Fahrzeugen wie dem Porsche Taycan vorbehalten, wandert in die Mittelklasse (z. B. beim neuen BMW iX3). Ladezeiten von unter 20 Minuten werden damit zum neuen Standard.

Fazit: Die Elektromobilität ist 2026 kein Nischenthema mehr für Enthusiasten. Trotz allgemeiner Kaufzurückhaltung stützen die Stromer den Markt. Wer jetzt noch auf reine Verbrenner setzt, kauft gegen den Trend.

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