Geld verdienen im Stand: BMW und E.ON bringen V2G in Serie

Seit dem 9. Februar 2026 ist es offiziell: Das erste kommerzielle Vehicle-to-Grid-Paket für Privatkunden in Deutschland ist bestellbar. BMW-Fahrer können nun ihren Stromspeicher auf vier Rädern nutzen, um das öffentliche Stromnetz zu stabilisieren – und erhalten im Gegenzug Prämien, die rein rechnerisch ihre gesamten jährlichen Stromkosten für das Fahren decken.

Das Konzept: Die Batterie als „Schwarm-Kraftwerk“

Die Grundidee von Vehicle-to-Grid (V2G) ist simpel, aber technologisch anspruchsvoll: Das Elektroauto dient als Puffer. Wenn zu viel Wind- oder Sonnenstrom im Netz ist, lädt das Auto; bei Verbrauchsspitzen speist es Strom zurück ins Netz. BMW und E.ON haben hierfür ein Rundum-sorglos-Paket geschnürt, das die technische Hürde für Endverbraucher massiv senkt.

Die Hardware: Was wird benötigt?

Das Angebot richtet sich zum Start exklusiv an Besitzer der neuen „Neue Klasse“-Modelle von BMW, beginnend mit dem neuen BMW iX3.

  • Fahrzeug: Ausgestattet mit der 6. Generation der BMW eDrive Technologie, die nativ für bidirektionales Laden (Gleichstrom-Pfad nach ISO 15118-20) ausgelegt ist.
  • BMW Wallbox Professional: Eine bidirektionale 11-kW-Ladestation (Listenpreis ca. 2.095 €), die den Stromfluss in beide Richtungen steuert.
  • Smart Meter: Ein intelligentes Messsystem ist zwingend erforderlich, um die Einspeisung rechtssicher abzurechnen.

Die Finanzen: Bis zu 14.000 Kilometer „umsonst“

Das Herzstück für Kunden ist das Bonusmodell. E.ON und BMW werben mit einer signifikanten Ersparnis:

  1. Ansteck-Bonus: Für jede Stunde, in der das Fahrzeug mit aktiviertem V2G-Modus an der Wallbox hängt, erhält der Kunde 24 Cent. Unabhängig davon, ob tatsächlich Strom fließt. Maximal sind so 60 € pro Monat (720 € pro Jahr) möglich.
  2. Einspeisevergütung: Wird tatsächlich Strom ins Netz zurückgegeben, zahlt E.ON zusätzlich 40 Cent pro kWh.
  3. Hardware-Rabatt: Zum Start erhalten die ersten 100 Besteller einen Nachlass von 700 € auf die Wallbox.

Rechnung: Die 720 € Bonus decken bei einem durchschnittlichen Strompreis die Kosten für ca. 2.184 kWh – das entspricht je nach Fahrweise einer Fahrleistung von 12.000 bis 14.000 Kilometern pro Jahr. Das Auto finanziert seinen Treibstoff also wortwörtlich durch Stehen.

Vergleich: BMW/E.ON V2G vs. Klassischer PV-Heimspeicher

MerkmalBMW/E.ON V2G-PaketKlassischer PV-Heimspeicher (Stationär)
SpeicherkapazitätSehr hoch (ca. 80–95 kWh im Fahrzeug)Gering bis Mittel (meist 5–15 kWh)
InvestitionskostenNiedrig (ca. 2.100 € für bidirektionale Wallbox*)Hoch (ca. 5.000 € – 10.000 € inkl. Installation)
Primärer NutzenGeldverdienen durch Netzstabilität & BoniErhöhung des Eigenverbrauchs (Autarkie)
VerfügbarkeitNur wenn das Auto zu Hause angesteckt istPermanent verfügbar (24/7)
Einnahmen / ErsparnisBis zu 720 € Bonus/Jahr + EinspeisevergütungErsparnis durch nicht gekauften Netzstrom (ca. 30-40 Cent/kWh)
BatterieverschleißGeringe Zusatzbelastung (durch BMW-Garantie abgedeckt)Über 10–15 Jahre kalkuliert
KomplexitätEinfach (Plug & Play über App)Erfordert Abstimmung mit Wechselrichter & PV

*Vorausgesetzt, das passende Fahrzeug ist bereits vorhanden.

Die 3 wichtigsten Erkenntnisse aus dem Vergleich:

1. Die schiere Größe des Speichers

Ein BMW iX3 hat eine Batterie, die so groß ist wie zehn herkömmliche Wand-Speicher. Das macht das Auto zu einem mächtigen Werkzeug für den Strommarkt. Während ein Hausspeicher oft nach drei Stunden Entladung leer ist, könnte ein E-Auto ein ganzes Einfamilienhaus theoretisch mehrere Tage lang autark versorgen – oder eben große Mengen Strom gewinnbringend ins Netz einspeisen.

2. „Geld verdienen“ vs. „Geld sparen“

  • Beim V2G-Modell von BMW/E.ON wirst du zum Teil des Energiemarktes. Du bekommst eine Prämie dafür, dass du dem Netz Kapazität zur Verfügung stellst.
  • Beim Heimspeicher sparst du Geld, indem du deinen eigenen Sonnenstrom nutzt, statt teuren Strom vom Versorger zu kaufen.

3. Die Mobilitäts-Falle

Der größte Nachteil von V2G: Wenn du mit dem Auto unterwegs bist (z. B. zur Arbeit), kann dein Haus den Speicher nicht nutzen. Ein stationärer Speicher hingegen sammelt den ganzen Tag über die Mittagssonne ein, um sie dir abends zur Verfügung zu stellen.

Fazit: Was lohnt sich mehr?

  • V2G (BMW/E.ON) ist ideal für Pendler und Home-Office-Nutzer, deren Auto viel steht. Es ist die günstigste Art, einen riesigen Speicher wirtschaftlich zu nutzen, ohne 10.000 € extra auszugeben.
  • Der PV-Heimspeicher bleibt die erste Wahl für alle, die eine Photovoltaik-Anlage haben und ihre Stromrechnung durch Eigenverbrauch radikal senken wollen.

Einschränkungen: Ein Wermutstropfen für PV-Besitzer

Aktuell gibt es eine wichtige technische Hürde: Das System ist zum Start nicht für Haushalte mit Photovoltaik-Eigenverbrauch optimiert. Wer bereits eine PV-Anlage hat, kann das Paket nur nutzen, wenn er den Sonnenstrom zu 100 % einspeist (Volleinspeiser). Die Integration von V2H (Vehicle-to-Home) und PV-Eigenverbrauch soll laut BMW im Laufe der nächsten Monate folgen.

Fazit und Ausblick

Mit diesem Schritt verlassen BMW und E.ON die Phase der Pilotprojekte. Während andere Hersteller noch über Standardisierungen diskutieren, schaffen die Münchner Fakten. Für den Kunden bedeutet das: Das E-Auto wird zum aktiven Teil des Energiemarktes.

Das System wird über die My BMW App gesteuert, in der Nutzer festlegen können, wie viel Restreichweite sie für den nächsten Morgen benötigen. Den Rest erledigt ein Algorithmus von E.ON, der die Batterie schont und gleichzeitig den Profit maximiert.

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