Ein schickes Design, kompakte Maße und ein fairer Preis – der Fiat 500e ist der Liebling der urbanen Elektromobilität. Doch wer beim Gebrauchtkauf nicht ganz genau hinschaut, für den kann das vermeintliche Schnäppchen zum finanziellen Totalschaden werden. Ein aktueller Fall zeigt: Wenn beim Service geschlampt wurde, verpufft die wertvolle Batteriegarantie schneller als die Reichweite im Winter.
Das Lockvogel-Angebot: Außen hui, im Detail riskant
Stellen Sie sich vor, Sie finden online das perfekte Angebot: Ein Fiat 500e, knapp vier Jahre alt, mit einer Laufleistung von gerade einmal 24.000 Kilometern. Der Preis: 15.990 Euro. Das Fahrzeug wird als „scheckheftgepflegt“ beworben – ein Prädikat, das Vertrauen schafft.
Doch die Ernüchterung folgt beim Blick in die Unterlagen. Von den vorgeschriebenen jährlichen Inspektionen wurden nur die erste und die letzte durchgeführt. Zwei Jahre fehlen komplett. Was bei einem alten Verbrenner vielleicht als „kleiner Makel“ durchginge, ist beim Elektroauto ein juristisches und finanzielles Minenfeld.
Das Garantie-Dilemma: Die „8-Jahre-Illusion“
Hersteller wie Fiat werben offensiv mit einer großzügigen Garantie auf die Hochvoltbatterie: 8 Jahre oder 160.000 Kilometer. Viele Käufer wiegen sich dadurch in Sicherheit. Doch diese Garantie ist an strikte Bedingungen geknüpft:
- Lückenlose Wartung: Die Garantie bleibt nur bestehen, wenn das Fahrzeug exakt nach Herstellervorgaben gewartet wurde.
- Das Zeit-Intervall: Beim Fiat 500e ist die Inspektion alle 12 Monate oder alle 15.000 km fällig – je nachdem, was zuerst eintritt.
- Die Konsequenz: Werden diese Intervalle nicht eingehalten (oder nicht bei einem autorisierten Partner dokumentiert), erlischt die Herstellergarantie auf die teuerste Komponente des Autos: den Akku.
In unserem Fall bedeutet das: Da zwei Jahre Service fehlen, ist die Batteriegarantie formal erloschen. Der Kunde trägt das volle Risiko eines Defekts ab dem Tag der Unterschrift.
| Posten | Betrag (ca.) |
| Kaufpreis des Fahrzeugs (gebraucht) | 15.990 € |
| Kosten für eine neue Hochvoltbatterie | 15.000 € |
| Einbaukosten & Kleinteile | 1.000 € – 2.000 € |
| Gesamtrisiko bei Batteriedefekt | ~17.000 € |
Das bedeutet: Ein Batteriedefekt außerhalb der Garantie kommt bei diesem Fahrzeug einem wirtschaftlichen Totalschaden gleich. Der Käufer zahlt für die Reparatur fast so viel, wie das gesamte Auto wert ist.
Warum die Gebrauchtwagengarantie nicht rettet
Viele Käufer hoffen in solchen Momenten auf eine externe Gebrauchtwagengarantie (Versicherung). Doch hier wartet die nächste Enttäuschung: Versicherer sind Profis im Risikomanagement. In den Versicherungsbedingungen ist fast immer verankert, dass Vorschäden oder mangelnde Wartung zum Ausschluss führen. Kein Versicherer übernimmt ein Risiko von 15.000 Euro, wenn der Vorbesitzer die sicherheitsrelevanten Batterie-Checks des Herstellers ignoriert hat.
Fazit: Augen auf beim E-Kauf
Der Fiat 500e ist ein hervorragendes Elektroauto, aber als Gebrauchtwagen ist er ohne lückenlose Historie ein unkalkulierbares Risiko. „Scheckheftgepflegt“ darf hier nicht nur ein Schlagwort sein – es ist die Lebensversicherung für Ihren Geldbeutel.
Drei goldene Regeln für den Kauf:
- Termine prüfen: Gleichen Sie das Datum der Erstzulassung mit den Stempeln im Serviceheft ab. Fehlt ein Jahr? Finger weg oder massiver Preisabschlag!
- Batterie-Zustand (SoH): Lassen Sie bei Zweifeln einen unabhängigen Batterie-Test (z. B. Aviloo) machen, um den „State of Health“ zu kennen.
- Rechtssicherheit: Lassen Sie sich die Wirksamkeit der Batteriegarantie schriftlich vom Verkäufer bestätigen.
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