In der Welt der Elektromobilität ist Software das Herzstück. Ein Elektroauto, das nach drei Jahren keine Sicherheitsupdates mehr erhält, wäre ein wirtschaftlicher Totalschaden. Warum akzeptieren wir das also bei unseren Smartphones? Ein kritischer Blick auf Xiaomi – einen Hersteller, der viel verspricht, aber bei der Langzeitpflege oft den Rückwärtsgang einlegt.
Ein Kommentar von e-news.ch
Wer heute die Tech-Kanäle auf YouTube verfolgt, bekommt ein glanzpoliertes Bild serviert. Da werden die neuesten Xiaomi-Flaggschiffe in die Kamera gehalten, garniert mit Superlativen über Megapixel und Ladezeiten. Das Versprechen: „Bis zu fünf oder sogar sieben Jahre Updates!“ Klingt nachhaltig, oder? Doch Vorsicht: Diese „Tests“ entstehen meist in der ersten Woche nach dem Release – oft mit Geräten, die der Hersteller kostenlos zur Verfügung gestellt hat.
Für uns als Community, die auf Langlebigkeit und Ressourcenschonung setzt, zählt jedoch nicht der Glanz des ersten Tages, sondern die Realität nach 24 oder 36 Monaten. Und genau hier beginnt die Fassade von Xiaomi zu bröckeln.
Die „First-Year-Show“: Danach kommt das Schweigen
Xiaomi hat eine Meisterschaft darin entwickelt, zum Launch große Töne zu spucken. Doch die Erfahrung der letzten Jahre zeigt ein Muster:
- Das goldene Jahr: Im ersten Jahr kommen Updates (Sicherheitspatches und HyperOS-Optimierungen) meist monatlich oder zweimonatlich.
- Die Abklingphase: Sobald der Nachfolger im Regal steht, werden die Intervalle länger. Aus Monaten werden Quartale.
- Die Bug-Falle: Updates werden zwar ausgerollt, beheben aber oft keine tiefsitzenden Fehler mehr, da die Kapazitäten der Software-Teams bereits beim nächsten „Next Big Thing“ gebündelt sind.
Während Konkurrenten wie Google oder Samsung ihre Update-Versprechen mittlerweile fast schon bürokratisch präzise abarbeiten, wirkt Xiaomis globale Update-Politik oft wie ein Glücksspiel. Besonders Nutzer außerhalb Chinas (Global ROM) fühlen sich häufig wie Kunden zweiter Klasse.
Hardware top, Software-Support flop: Ein Albtraum für die Umwelt
Nachhaltigkeit bedeutet: Nutzungsdauer maximieren. Ein Smartphone wie das Xiaomi 12 oder 13 verfügt über Rechenpower, die auch in fünf Jahren noch für 95 % aller Alltagsaufgaben ausreichen würde. Wenn der Hersteller jedoch den Software-Support einstellt, wird das Gerät zum Sicherheitsrisiko.
Ohne aktuelle Sicherheitspatches funktionieren Banking-Apps nicht mehr, Firmen-Accounts werden gesperrt und Sicherheitslücken bleiben offen. Das Ergebnis: Ein technisch einwandfreies Gerät wandert in den Elektroschrott – nur weil der Hersteller keine Lust hat, die Treiber für neue Android-Versionen anzupassen. Das ist das Gegenteil von grünem Denken; es ist geplante Obsoleszenz durch Software-Abstinenz.
Die „Blacklist“ 2026: Diese Geräte verlieren ihren Schutz
Um die Tragweite zu verdeutlichen, werfen wir einen Blick auf die aktuelle Situation. Im Laufe des Jahres 2026 erreichen zahlreiche Geräte, die vor wenigen Jahren noch als „High-End“ oder „Preis-Leistungs-Könige“ gefeiert wurden, ihr offizielles End of Life (EOL).
Das bedeutet: Ab diesem Zeitpunkt gibt es keine Sicherheitsupdates mehr. Die folgende Tabelle zeigt prominente Modelle, die 2026 softwareseitig „sterben“:
| Modell-Serie | Release-Jahr | Status 2026 | Nachhaltigkeits-Urteil |
| Xiaomi 12 / 12 Pro | 2022 | Support-Ende erreicht | Mangelhaft. Ein Flaggschiff, das nach 4 Jahren zum Risiko wird. |
| Xiaomi 12T / 12T Pro | 2022 | Support-Ende erreicht | Enttäuschend. Kraftvolle Hardware ohne Schutzschild. |
| Redmi Note 11 Serie | 2022 | Support-Ende erreicht | Mangelware. Millionen verkaufte Geräte werden zu Elektroschrott. |
| Poco F4 / X4 GT | 2022 | Support-Ende erreicht | Kurzlebig. Typisch für die Submarke: Schnell, billig, bald vergessen. |
| Xiaomi 13-Serie | 2023 | Letzte Sicherheits-Updates | Gnadenfrist. Hier läuft der Support Ende 2026/Anfang 2027 aus. |
(Hinweis: Die exakten Daten variieren je nach Region und Provider, aber die Tendenz ist klar: Nach spätestens 4 Jahren zieht Xiaomi den Stecker.)
Fazit: Glauben Sie nicht dem Hype
Wer ein Elektroauto kauft, achtet auf die Garantie der Batterie und die Zukunftsfähigkeit der Software. Beim Smartphone-Kauf sollten wir denselben Maßstab anlegen. Xiaomi baut beeindruckende Hardware, aber wer echte Nachhaltigkeit sucht, sollte sich nicht von den „Verkaufsveranstaltungen“ der Tech-Influencer blenden lassen.
Solange Xiaomi seine Worte nicht durch Taten – sprich: verlässliche, langfristige und qualitativ hochwertige Updates über das erste Jahr hinaus – untermauert, bleibt das grüne Versprechen nur ein Werbeslogan auf einer umweltfreundlich recycelten Pappschachtel.
Unsere Empfehlung: Wenn Ihnen Langlebigkeit wichtig ist, schauen Sie genau hin, wie der Hersteller mit Geräten umgeht, die bereits drei Jahre alt sind. Dort zeigt sich das wahre Gesicht der Marke – nicht auf dem Launch-Event.
© Text / Bild e-news.ch 2026

