Dacia Spring: Das Ende des 10.000-Euro-Traums – Preissprung und Qualitätsmängel im Check

Eigentlich sollte er die Elektromobilität für die breite Masse erschwinglich machen. Doch wer heute auf die Website von Dacia klickt, erlebt eine Überraschung: Das extrem günstige Grundmodell des Spring ist verschwunden, die groß beworbene Rabatt-Aktion vorzeitig beendet. Wir haben uns angeschaut, was hinter dem „Ausverkauf“ steckt und ob der Spring seinen neuen Preis von über 18.700 Euro überhaupt wert ist.

Noch vor wenigen Wochen war der Dacia Spring der unangefochtene Preis-Leistungssieger der Elektro-Welt. Mit massiven Rabatt-Aktionen drückte Dacia den Preis des Basismodells rechnerisch in Regionen, die man sonst nur von gebrauchten Verbrennern kannte. Doch der Vorhang ist gefallen: Das Grundmodell „Essential“ ist derzeit nicht mehr lieferbar und wurde von der offiziellen Homepage entfernt.

Wer jetzt einen Spring will, muss tiefer in die Tasche greifen. Der Einstieg beginnt nun bei 18.700 Euro für die „Expression“-Variante – zuzüglich Überführungskosten (meist um die 1.000 Euro). Damit rückt der kleine Stromer gefährlich nah an Konkurrenten heran, die technisch deutlich mehr bieten.

Die Rabatt-Aktion unter der Lupe: Schnäppchen oder Restrampe?

Die aggressive Preispolitik der letzten Monate wirkte im Nachhinein wie ein klassischer Abverkauf. Während Kunden mit Nachlässen von bis zu 10.000 Euro gelockt wurden, scheint man bei Dacia nun die Reißleine gezogen zu haben. War die Aktion vielleicht nur ein Mittel, um Lagerbestände eines Modells zu leeren, das zunehmend unter Rechtfertigungsdruck gerät? Experten vermuten, dass die Kombination aus hoher Nachfrage und knapper Marge das Aus für das Basismodell beschleunigt hat.

Der Reality-Check: TÜV-Schlusslicht und Rost-Sorgen

So attraktiv der Preis auch war – die Langzeitqualität des Dacia Spring wirft Fragen auf. Im aktuellen TÜV-Report 2026 belegt der Spring bei den zwei- bis dreijährigen Fahrzeugen einen der hintersten Plätze. Die Mängelquote von rund 13 % ist alarmierend hoch:

  • Fahrwerk & Aufhängung: Marode Achskomponenten, Querlenker und undichte Dämpfer werden überdurchschnittlich oft bemängelt. Das geringe Fahrzeuggewicht scheint paradoxerweise nicht vor Verschleiß zu schützen.
  • Bremsen: Da E-Autos viel über den Motor bremsen (Rekuperation), werden die mechanischen Bremsen beim Spring oft vernachlässigt und setzen Rost an – ein häufiger Grund für das Scheitern bei der HU.
  • Rostschutz: Während die Verarbeitung im Innenraum (viel Hartplastik) für diese Preisklasse noch als „okay“ durchgeht, ist der Blick unter das Fahrzeug ernüchternd. Berichte über mangelhafte Hohlraumversiegelung und Flugrost an tragenden Teilen häufen sich. Wer seinen Spring länger fahren möchte, sollte dringend in eine nachträgliche Konservierung investieren.

Der neue Platzhirsch? Citroën ë-C3 vs. Dacia Spring

Der größte Konkurrent kommt aus Frankreich (produziert in der Slowakei). Der Citroën ë-C3 bietet für einen moderaten Aufpreis eine ganz andere Fahrzeugklasse.

MerkmalDacia Spring (65 PS)Citroën ë-C3 (Urban/Standard)
Einstiegspreisca. 18.700 €ab 19.990 €
Leistung48 kW (65 PS)83 kW (113 PS)
Batterie / Reichweite26,8 kWh (ca. 220 km)30 – 44 kWh (212 – 325 km)
Ladeleistung DCmax. 30 kW (optional)bis zu 100 kW
KomfortEinfach, lautCitroën Advanced Comfort (sehr weich)
Sicherheit1 Stern (Euro NCAP)deutlich modernere Assistenzsysteme

Unterhaltskosten im Vergleich

Interessanterweise ist der Dacia im laufenden Betrieb immer noch der Sparfuchs. Er ist extrem effizient (Verbrauch oft unter 13 kWh/100 km) und in der Versicherung (Haftpflicht/Vollkasko) in sehr niedrige Typklassen eingestuft. Der Citroën ë-C3 ist in der Versicherung deutlich teurer eingestuft, bietet dafür aber ein vollwertiges Fahrgefühl und eine deutlich höhere Schnelllade-Performance, was ihn auch für gelegentliche Überlandfahrten tauglich macht.

Weitere Alternativen in der 20.000-Euro-Klasse

Wer den Spring-Aufpreis nicht zahlen möchte, sollte den Blick weiten:

  1. VW ID.3 (Gebraucht/Aktion): Junge Gebrauchte oder Leasing-Rückläufer des ID.3 liegen 2026 oft im Bereich von 20.000 bis 22.000 Euro. Hier bekommt man ein Fahrzeug mit exzellentem Fahrwerk (TÜV-Mängelquote nur ca. 5 %) und deutlich mehr Platz.
  2. Hyundai Inster: Ein frischer Konkurrent aus Korea, der bei der Verarbeitungsqualität und den Garantiebedingungen (5-8 Jahre) den Dacia alt aussehen lässt.

Fazit: Der Frühling verliert an Glanz

Der Dacia Spring war das richtige Auto zum richtigen Zeitpunkt, doch die Luft wird dünner. Ohne das „Kampfpreis-Argument“ von unter 15.000 Euro fällt es schwer, über die technischen Unzulänglichkeiten beim TÜV und den mangelnden Rostschutz hinwegzusehen. Der Citroën ë-C3 zeigt aktuell, dass ein „echtes“ Auto mit moderner Technik nur unwesentlich mehr kosten muss.

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