Glänzende Werbebanner, attraktive Raten und ein satter Bonus von 6.000 Euro – Opel trommelt aktuell massiv für seine Elektromodelle. Doch wer genauer hinschaut, merkt schnell: Der Weg zum Schnäppchen ist mit Kleingedrucktem gepflastert. Zwischen staatlichen Subventionen, kinderabhängigen Boni und extrem knappen Kilometer-Limits lauern Kostenfallen, die das „Sorglos-Leasing“ schnell teuer machen.
Ein Kommentar von e-news.ch
Es klingt nach dem perfekten Einstieg in die E-Mobilität: Ein fabrikneuer Opel, keine Anzahlung und eine monatliche Rate, die kaum höher ist als ein Wocheneinkauf. Im Zentrum der Kampagne steht ein 6.000-Euro-Bonus, der direkt als Leasingsonderzahlung verrechnet werden kann. Doch die Euphorie bekommt beim Blick in die Details die ersten Risse.
Der 6.000-Euro-Bonus: Nicht für jeden ein Geschenk
Zunächst die wichtigste Klarstellung: Die beworbenen 6.000 Euro sind kein reiner Rabatt des Herstellers, sondern basieren maßgeblich auf der seit Januar 2026 geltenden, sozial gestaffelten staatlichen E-Auto-Förderung.
Das Problem? Um die volle Summe zu erhalten, müssen Sie in das exakte Raster passen. Die Förderung ist ein Puzzle aus drei Teilen:
- Basisförderung: 3.000 Euro für reine Elektroautos (BEV).
- Einkommens-Bonus: Nur wer ein zu versteuerndes Haushaltseinkommen unter 45.000 Euro hat, erhält die volle Aufstockung.
- Kinder-Bonus: Hier liegt der Knackpunkt für viele. Die vollen 6.000 Euro gibt es nur mit mindestens zwei Kindern im Haushalt (500 Euro pro Kind).
Kritikpunkt: Wer kinderlos ist oder über der Einkommensgrenze liegt, sieht von den 6.000 Euro nur einen Bruchteil. Für einen Single mit Durchschnittsverdienst schrumpft die „Anzahlung“ oft auf die Basis-3.000-Euro zusammen. Die Folge: Die monatliche Leasingrate verdoppelt sich im Vergleich zum Werbeangebot nahezu.
Die 5.000-Kilometer-Falle: Mobilität auf Sparflamme
Besonders brisant sind die Konditionen bei den beworbenen „Null-Anzahlung-Angeboten“. Hier wird oft mit einer Laufleistung von lediglich 5.000 Kilometern pro Jahr gerechnet.
Um das einzuordnen: Das sind gerade einmal 416 Kilometer im Monat – oder 13 Kilometer am Tag. Wer zur Arbeit pendelt, am Wochenende die Verwandtschaft besucht oder einmal in den Urlaub fährt, sprengt diesen Rahmen sofort. Jeder Mehrkilometer wird am Ende der Laufzeit (meist 36 oder 48 Monate) teuer nachberechnet.
Für die meisten Autofahrer ist dieses Limit schlicht unrealistisch. Es dient in erster Linie dazu, die monatliche Rate in der Werbung künstlich niedrig zu halten.
Der „Hammer“ zum Schluss: Die Überführungskosten
Selbst wenn man mit den 5.000 Kilometern hinkommt, wartet bei Vertragsabschluss eine saftige Einmalzahlung. Während Opel mit „0 € Anzahlung“ wirbt, verstecken sich im Kleingedruckten oft Überführungskosten von bis zu 1.495 Euro.
Rechnet man diese Summe auf eine Laufzeit von 36 Monaten um, bedeutet das eine effektive Mehrbelastung von rund 41,50 Euro pro Monat. Damit wird aus dem vermeintlichen 149-Euro-Schnäppchen schnell ein Vertrag, der real an der 200-Euro-Marke kratzt.
| Posten | Werbe-Versprechen | Die bittere Realität |
| Anzahlung | 0 € (durch 6.000 € Bonus) | Oft nur 3.000 € (für Kinderlose/Normalverdiener) |
| Laufleistung | Flexibel wählbar | Basispreis gilt nur für utopische 5.000 km/Jahr |
| Einmalkosten | Nicht prominent erwähnt | Bis zu 1.495 € Überführung (sofort fällig) |
| Zielgruppe | „Elektro für alle“ | Familien mit geringem Einkommen |
Checkliste: Bekomme ich die 6.000 Euro wirklich?
Die Werbung verspricht viel, doch die staatliche Förderung (Stand Januar 2026) ist an harte Bedingungen geknüpft. Gehen Sie diese Punkte durch, bevor Sie den Leasingvertrag unterschreiben:
1. Die Basis-Voraussetzungen
- Fahrzeugtyp: Handelt es sich um ein reines Elektroauto (BEV)? (Plug-in-Hybride erhalten deutlich weniger Förderung).
- Zulassungsdatum: Wird das Fahrzeug definitiv nach dem 01.01.2026 erstzugelassen?
- Haltedauer: Sind Sie bereit, das Fahrzeug mindestens 36 Monate zu halten? (Kürzere Leasingverträge reduzieren die Prämie massiv).
2. Der Einkommens-Check (Zu versteuerndes Haushaltseinkommen)
Die Förderung ist sozial gestaffelt. Welcher Basis-Betrag steht Ihnen zu?
- Unter 45.000 €: Sie haben Anspruch auf 5.000 € Basisprämie.
- 45.000 € bis 60.000 €: Sie haben Anspruch auf 4.000 € Basisprämie.
- 60.000 € bis 80.000 €: Sie haben Anspruch auf 3.000 € Basisprämie.
- Über 80.000 €: Sie gehen leer aus (außer Kinder verschieben Ihre Grenze).
3. Der Kinder-Bonus
- Anzahl der Kinder: Für bis zu zwei minderjährige Kinder im Haushalt gibt es jeweils 500 € zusätzlich.
- Rechenbeispiel: 5.000 € Basis (Einkommen < 45k) + 1.000 € (2 Kinder) = 6.000 € Maximalsumme.
- Grenzwert-Verschiebung: Pro Kind steigt die Einkommensgrenze (siehe Punkt 2) um 5.000 €. Mit zwei Kindern dürfen Sie also bis zu 90.000 € verdienen, um überhaupt noch die Basis-Förderung zu erhalten.
4. Die versteckten Kosten-Fallen (Das Kleingedruckte)
Bevor Sie „Ja“ sagen, prüfen Sie diese drei Kostentreiber:
- Überführungskosten: Stehen dort ca. 1.495 €? Rechnen Sie diese Summe auf die Monate um (z.B. bei 36 Monaten sind das ca. 41 € zusätzlich zur Rate!).
- Kilometer-Limit: Reichen Ihnen 5.000 km im Jahr wirklich? (Das sind nur 13 km am Tag!). Was kostet jeder Mehrkilometer?
- Auszahlungs-Loch: Die Prämie muss oft vorgeschossen werden und wird erst Monate später vom Staat erstattet. Haben Sie die 3.000 bis 6.000 € flüssig?
Unser Tipp: Lassen Sie sich vom Händler ein Angebot rechnen, das ohne Einrechnung der staatlichen Prämie kalkuliert ist. Nur so sehen Sie die „nackte“ Leasingrate und erleben keine böse Überraschung, falls der Förderantrag abgelehnt wird oder geringer ausfällt.
Fazit: Augen auf beim E-Leasing
Opels aktuelle Offensive ist kein schlechtes Angebot für Menschen, die exakt in das Förderprofil des Staates passen und das Auto lediglich als Zweitwagen für extrem kurze Strecken nutzen.
Für alle anderen gilt: Lassen Sie sich nicht von der 6.000-Euro-Zahl blenden. Fragen Sie gezielt nach der Rate für 10.000 oder 15.000 Kilometer und kalkulieren Sie die hohen Überführungskosten von Anfang an mit ein. Am Ende ist ein ehrlich kalkuliertes Angebot ohne „Lockvogel-Konditionen“ oft die stressfreiere Wahl.
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