Kommentar: Erziehung durch Ebbe im Portemonnaie? Warum der ADAC-Kurs privaten Umsteigern den Mut nimmt

Der Umstieg auf die Elektromobilität ist für viele Privathaushalte derzeit das Thema Nummer eins in der Garage. Doch wer gehofft hatte, im ADAC einen Partner zu finden, der den Übergang sozialverträglich moderiert, wurde jüngst enttäuscht. Wenn der größte Automobilclub Deutschlands signalisiert, dass steigende Spritpreise ein notwendiges Übel seien, um den Wechsel zum E-Auto zu erzwingen, dann ignoriert das die Lebensrealität der Menschen. Wir finden: Das ist der falsche Weg.

Die Realität am Küchentisch

Für eine Familie oder einen Pendler ist das Auto kein politisches Statement, sondern ein Werkzeug. Die Entscheidung für ein Elektroauto fällt heute meist am Küchentisch: Reicht das Budget für die Leasingrate? Ist ein gebrauchtes E-Auto zuverlässig? Und was kostet mich der Strom im Vergleich zum Benzin?

Wenn nun der ADAC-Verkehrspräsident den CO2-Preis als „Lenkungsinstrument“ verteidigt, das fossile Brennstoffe bewusst verteuert, dann kommt das bei vielen wie eine Drohung an. Man fragt sich: Soll der Umstieg durch Begeisterung gelingen oder durch pure finanzielle Not?

Warum Zwang die Akzeptanz zerstört

Wir als Portal für Elektromobilität brennen für die lautlose und saubere Technik. Aber wir wissen auch: Man gewinnt keine Herzen, indem man die Alternative unbezahlbar macht.

Die Kritik am aktuellen ADAC-Kurs lässt sich für Privatfahrer in drei Punkten zusammenfassen:

  1. Das „Bestrafungs-Prinzip“: Wer sich aktuell kein E-Auto leisten kann – sei es wegen der hohen Anschaffungskosten oder fehlender Lademöglichkeiten am Mietshaus – wird durch höhere Spritpreise schlichtweg ärmer. Das Geld, das an der Zapfsäule mehr ausgegeben werden muss, fehlt am Ende beim Sparen auf das neue E-Fahrzeug.
  2. Psychologische Barrieren: Wenn das E-Auto als Grund wahrgenommen wird, warum das Leben teurer wird, entsteht eine Abwehrhaltung. Elektromobilität darf nicht das „Privileg der Besserverdienenden“ werden, während der Rest der Bevölkerung durch den ADAC-gepriesenen Preisdruck zur Kasse gebeten wird.
  3. Die Strompreis-Falle: Während der Club steigende Benzinpreise als Steuerungsinstrument akzeptiert, vermissen wir den gleichen Nachdruck bei den oft völlig unübersichtlichen und überhöhten Ladepreisen für Privatkunden. Wer umsteigen soll, braucht günstigen Strom, nicht teures Benzin.

Was wir vom „Anwalt der Autofahrer“ erwarten würden

Ein echter Anwalt der Autofahrer sollte nicht die Daumenschrauben an der Zapfsäule rechtfertigen. Er sollte stattdessen lautstark einfordern:

  • Echte Förderung für den Gebrauchtwagenmarkt: Damit E-Mobilität für Privatpersonen erschwinglich wird.
  • Transparenz beim Laden: Ein Ende des Tarifdschungels an öffentlichen Ladesäulen.
  • Recht auf Laden: Massiver Druck beim Ausbau der Infrastruktur für Mieter und Laternenparker.

Fazit: Motivation statt Nötigung

Die Elektromobilität ist die Zukunft, daran gibt es keinen Zweifel. Aber diese Zukunft muss man sich leisten können. Den Umstieg über den Preisdruck beim Verbrenner erzwingen zu wollen, ist ein Zeugnis von politischer Hilflosigkeit, dem sich ein Autofahrerclub nicht anschließen sollte.

Lieber ADAC: Kämpfen Sie dafür, dass das E-Auto so attraktiv und günstig wird, dass niemand mehr einen Verbrenner fahren will – statt dafür zu sorgen, dass man ihn sich nicht mehr leisten kann.

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