Die ultimative Datenschutz-Checkliste für E-Auto-Besitzer

1. Grundeinstellungen im Fahrzeug (Infotainment)

  • Privat-Modus / Inkognito-Modus: Prüfen Sie, ob Ihr Fahrzeug einen „Privat-Modus“ besitzt. Dieser unterbindet meist die Standortübermittlung. Achtung: Oft funktionieren dann Live-Navi-Daten nicht mehr.
  • Datenschutzniveaus: Viele Hersteller (z. B. VW, Audi, Mercedes) bieten Stufen an (z. B. Stufe 1: Nur gesetzlich erforderliche Daten wie eCall; Stufe 4: Volle Vernetzung). Wählen Sie die für Sie sicherste Stufe.
  • Nutzungsstatistiken: Deaktivieren Sie die Option „Analyse von Fahrzeugdaten zur Produktverbesserung“. Dies verhindert das Senden von Fehlprotokollen und Fahrprofilen an die Entwicklungsabteilungen.

2. Konnektivität und Online-Dienste

  • Standortverlauf löschen: Überprüfen Sie regelmäßig die Liste der „Letzten Ziele“ im Navi und löschen Sie diese, falls das Fahrzeug von mehreren Personen genutzt wird oder verkauft werden soll.
  • WLAN-Hotspot: Falls Sie den fahrzeugeigenen Hotspot nicht nutzen, schalten Sie das WLAN-Modul aus, um „Tracking“ über die MAC-Adresse zu erschweren.
  • Bluetooth-Berechtigungen: Wenn Sie Ihr Handy koppeln: Muss das Auto wirklich Zugriff auf Ihre gesamte Kontaktliste und SMS haben? Meist können Sie dies im Smartphone-Menü für die Bluetooth-Verbindung einschränken.

3. Kameras und Sensoren (Hardware-Privacy)

  • Innenraumkamera: Bei Fahrzeugen wie Tesla oder neueren Modellen von BYD und Mercedes gibt es Kameras, die den Fahrer überwachen. Prüfen Sie, ob Sie die Datenspeicherung/Übertragung dieser Bilder deaktivieren können (oft unter „Sicherheit“).
  • Wächter-Modus (Sentry Mode): Wenn Ihr Auto das Umfeld filmt: Stellen Sie sicher, dass dies rechtlich zulässig ist (in Deutschland z. B. nur anlassbezogenes Speichern erlaubt). Deaktivieren Sie die Cloud-Übertragung der Videos, falls möglich.

4. Die Smartphone-App des Herstellers

  • Standortzugriff: Erlauben Sie der App den Standortzugriff nur „während der Nutzung“, nicht „immer“.
  • Drittanbieter-Sharing: Suchen Sie in den App-Einstellungen nach „Marketing-Einwilligungen“ oder „Datenweitergabe an Partner“. Deaktivieren Sie diese konsequent.
  • Biometrie: Nutzen Sie für den App-Zugriff FaceID oder Fingerabdruck statt eines einfachen Codes, um unbefugten Zugriff auf Fahrzeugdaten zu verhindern.

5. Rechtliches & Account

  • Auskunftsersuchen (Art. 15 DSGVO): Sie haben das Recht, beim Hersteller eine Kopie aller über Sie gespeicherten Daten anzufordern. Nutzen Sie dies einmal im Jahr, um zu sehen, was wirklich gesammelt wird.
  • Fahrzeugverkauf / Mietwagen: Bevor Sie das Auto abgeben: Führen Sie unbedingt einen „Werksreset“ (Factory Reset) durch. Er löscht Profile, Passwörter und Heimadressen.

Spezifische Tipps für gängige Marken:

  • Tesla: Gehen Sie zu Software > Datenfreigabe. Hier können Sie die Freigabe von Kamera-Clips und Straßensegment-Daten einzeln widerrufen.
  • VW ID-Modelle: Im Menü unter Setup > Datenschutz lässt sich die Online-Funktionalität komplett kappen, allerdings fällt dann auch die App-Steuerung (Vorklimatisierung) weg.
  • BMW: Im iDrive-Menü unter Mein Fahrzeug > Einstellungen > Datenschutz können Sie detailliert festlegen, welche Dienste (z. B. Intelligent Personal Assistant) Daten senden dürfen.

Journalistischer Rat: Betrachten Sie Ihr Auto wie Ihr Smartphone. Jedes „Bequemlichkeits-Feature“ wird meist mit einem Datenschnipsel bezahlt. Fragen Sie sich: Brauche ich die Fernsteuerung der Hupe per App wirklich, wenn ich dafür mein Bewegungsprofil offenlegen muss?

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