Der Blitz im Realitätscheck: Opels Elektro-Offensive 2026

Rüsselsheim hat geliefert – zumindest was die Modellvielfalt angeht. Mit dem neuen Frontera Electric und dem Flaggschiff Grandland Electric besetzt Opel 2026 zwei psychologisch wichtige Pole: den günstigen Einstieg und die prestigeträchtige Langstrecke. Doch unter der Haube kämpft der Blitz mit Altlasten und dem massiven Druck aus Fernost und Wolfsburg.

1. Die Technik-Analyse: Reichweite vs. Realität

Opel nutzt 2026 zwei unterschiedliche Technik-Welten. Während die Basismodelle auf Effizienz getrimmt sind, klotzt der Grandland beim Akku.

  • Der Grandland-Mythos: Opel wirbt beim Grandland Electric mit 700 km WLTP-Reichweite (97-kWh-Akku).
    • Die Realität: Im ADAC-Wintertest 2026 schrumpft dieser Wert bei Autobahntempo und Kälte auf bittere 330 bis 350 km. Der Grund ist der hohe Verbrauch der STLA-Medium-Plattform von bis zu 27,5 kWh/100 km bei widrigen Bedingungen.
  • Der Frontera-Ansatz: Hier setzt Opel auf LFP-Batterien (Lithium-Eisenphosphat). Diese sind langlebiger und günstiger, bieten aber mit netto 44 kWh nur etwa 300 km WLTP. Für die Stadt ideal, für den Urlaub eine Geduldsprobe.
  • Ladegeschwindigkeit: Der Grandland lädt mit bis zu 160 kW (10-80 % in ca. 30 Min.). Corsa, Mokka und Astra hängen 2026 weiterhin bei maximal 100 kW fest – das ist im Vergleich zu Hyundai (800V-Technik) oder Tesla mittlerweile nur noch unteres Mittelmaß.

2. Das Software-Dilemma: Opels größte Baustelle

Journalistisch betrachtet ist die Software das „Sorgenkind“ der Marke. Während die Hardware (Fahrwerk, Sitze) überzeugt, hinkt die digitale Welt hinterher.

  • Die App-Krise: Die „MyOpel“-App ist auch 2026 ein Kritikpunkt in jedem Testbericht. Verbindungsabbrüche beim Vorklimatisieren und eine träge Routenplanung mit Ladestopps frustrieren Nutzer.
  • Infotainment: Im Frontera-Basismodell gibt es keinen zentralen Bildschirm – das eigene Smartphone übernimmt per App die Navigation. Das ist zwar günstig, wirkt aber in einem 29.000-Euro-Auto spartanisch. Die höheren Linien bieten das „Pure Panel“, das zwar schick aussieht, aber in Sachen Rechengeschwindigkeit nicht mit einem BYD Dolphin oder dem neuen VW ID.Polo mithalten kann.

3. Vergleich: Der Kampf um die 30.000-Euro-Klasse

Hier entscheidet sich Opels Zukunft. Der Frontera muss sich gegen zwei Giganten behaupten:

KriteriumOpel Frontera ElectricVW ID.Polo (Start 04/2026)BYD Dolphin (2026)
Einstiegspreisca. 28.990 €ca. 24.900 €ca. 23.000 €
Reichweite (WLTP)305 kmbis 450 km340 – 427 km
Ladeleistung100 kWca. 125 kW88 kW
BesonderheitSUV-Optik, viel PlatzKompakt (Polo-Maß), Top-SoftwareDrehbares Display, LFP-Technik
Vorteil Opel460 L KofferraumModernstes InfotainmentPreis-Leistungs-Sieger

4. Verarbeitung und Alltag: Wo Opel glänzt

Trotz Software-Frust gibt es Bereiche, in denen Opel 2026 unschlagbar bleibt:

  1. Ergonomie: Die AGR-Sitze (Aktion Gesunder Rücken) sind im Segment der Kompakt-SUVs die absolute Referenz. Wer Rückenprobleme hat, kauft Opel.
  2. Bedienung: Opel verweigert sich dem Trend, alles in Untermenüs zu verstecken. Es gibt echte Tasten für die Klimaautomatik – ein massiver Sicherheitsvorteil gegenüber Tesla oder VW.
  3. Fahrwerk: Die Abstimmung im Astra und Grandland ist „autobahnfest“ – stabil, ruhig und sicher, selbst bei Seitenwind.

Abschließende Einschätzung

Opel ist 2026 die Marke für „Elektro-Pragmatiker“. Wenn Sie ein Auto suchen, das wie ein klassisches Auto funktioniert, exzellente Sitze hat und eine klare Designsprache spricht, ist der Frontera oder Astra ideal.

Aber: Technologisch ist der Blitz unter Druck. Die Ladeleistung der Volumenmodelle ist zu gering, und die Software-Anbindung bleibt eine Schwachstelle. Während der Grandland als Langstrecken-SUV mit riesigem Akku punktet, ist er durch seinen hohen Preis (über 50.000 € für die Long-Range-Version) und den hohen Winterverbrauch eher ein Nischenprodukt für Dienstwagenfahrer.

Kaufempfehlung: Der Frontera Electric ist der heimliche Star für Familien – viel Platz für unter 30.000 € ist 2026 selten. Wer jedoch maximale Digitalisierung und Reichweite pro Euro sucht, sollte zum VW ID.Polo oder BYD schielen.

© Text e-news.ch 2026 / © Bild Presse Opel