Das „Abo-Auto“: Warum VW-Fahrer für Selbstverständlichkeiten zur Kasse gebeten werden

Wer sich für ein Modell der ID-Familie entscheidet, kauft nicht nur ein Elektroauto, sondern – so das Versprechen von Volkswagen – ein „Smart Device auf Rädern“. Doch nach zwei Jahren folgt für viele Erstbesitzer das böse Erwachen in Form einer E-Mail: Die kostenlose Testphase für VW Connect Plus ist abgelaufen. Wer weiterhin alle digitalen Funktionen nutzen möchte, muss tief in die Tasche greifen: 149 Euro für ein Jahr oder 255 Euro für zwei Jahre.

Doch was genau rechtfertigt diesen stolzen Preis? Ein genauer Blick auf das Paket und die kostenlosen Alternativen lässt massive Zweifel am Preis-Leistungs-Verhältnis aufkommen.

Die „Premium-Features“ im Check

Schaut man sich die Liste der Dienste an, fragt man sich unweigerlich: Ist das im Jahr 2026 wirklich noch ein kostenpflichtiges Extra wert?

  • Intelligente Routenplanung: In einem Elektroauto ist eine Navigation mit Ladestopps eine Kernfunktion. VW verlangt hierfür Geld, während der Mitbewerber Tesla dies seit Jahren als Standard inkludiert.
  • Echtzeit-Verkehrsdaten: Dank Online-Daten um den Stau herumfahren? Ein Feature, das heute Standard sein sollte.
  • Sprachassistent mit ChatGPT: Sicherlich ein nettes Gimmick. Aber wie oft braucht man im Auto wirklich eine KI, die Gedichte schreibt oder historische Fakten referiert?
  • Online-Radio: In Zeiten von Musik-Streaming für die meisten Nutzer ohnehin überflüssig.

Der Elefant im Raum: Android Auto und Google Maps

Die eigentliche Frage nach der Daseinsberechtigung stellt sich jedoch, sobald man auf das Display blickt und das Symbol für Android Auto (oder Apple CarPlay) sieht. Fast jeder ID-Besitzer hat ein Smartphone in der Tasche, das sich kabellos mit dem Fahrzeug verbindet.

Hier wird das VW-Angebot endgültig zum Luxus-Problem: Google Maps bietet fast alles, was VW sich teuer bezahlen lässt – und zwar kostenlos. * Google Maps verfügt über die präzisesten Echtzeit-Verkehrsdaten der Welt.

  • Die Routenplanung inklusive Ladestopps für E-Autos ist bei Google längst integriert und wird ständig optimiert.
  • Der Google Assistant beantwortet Fragen oft zuverlässiger als jede integrierte Auto-Software.

Warum also 149 Euro im Jahr bezahlen, wenn die perfekte Lösung bereits auf dem Handy existiert und nahtlos auf den großen Fahrzeugbildschirm gespiegelt wird?

Die kritische Frage: Innovation oder Melkkuh?

Es drängt sich der Verdacht auf, dass hier die „Monetarisierung des Fahrzeuglebenszyklus“ im Vordergrund steht. 149 Euro pro Jahr für Dienste, die ein modernes Auto eigentlich im Grundpreis mitbringen sollte oder die das Smartphone ohnehin besser beherrscht, sind schwer zu vermitteln.

Was soll das eigentlich? Während Wettbewerber die Konnektivität als Service am Kunden verstehen, scheint VW hier eine psychologische Grenze zu überschreiten. Besonders absurd: Der Kunde hat die Hardware (Bildschirm, Antennen, Steuergeräte) bereits beim Kauf teuer bezahlt. Nun soll er monatlich Miete zahlen, damit diese Hardware nicht zum digitalen Briefbeschwerer degradiert wird.

Für den Nutzer bleibt am Ende ein fader Beigeschmack: Man kauft ein Auto für 40.000 Euro oder mehr, nur um nach zwei Jahren festzustellen, dass VW die Hand aufhält für Funktionen, die Google jedem Nutzer einfach so schenkt. Das „Abo-Modell“ wirkt hier weniger wie ein Service-Angebot und mehr wie eine Gebühr für etwas, das eigentlich längst Standard sein sollte.

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