Citroën hat in den letzten zwei Jahren eine radikale Transformation vollzogen. Weg vom Nischendasein, hin zum Anbieter für „bezahlbare Elektromobilität“. Mit Stand Januar 2026 zeigt sich ein Portfolio, das vom Kleinstwagen bis zum Familien-SUV alles abdeckt, dabei aber konsequent auf Komfort und Kosteneffizienz setzt.
1. Das aktuelle Modell-Lineup und Preise
Citroën positioniert sich preislich aggressiv am unteren Ende des Marktes, um der Konkurrenz aus China Paroli zu bieten.
| Modell | Segment | Basispreis (ca.) | Besonderheit |
| Ami / My Ami Pop | Light Quadricycle | ~9.500 € | Ab 15 Jahren fahrbar, urbaner Purismus |
| ë-C3 | Kleinwagen | ~23.300 € | Der Preis-Leistungs-Sieger mit LFP-Akku |
| ë-C3 Aircross | Kompakt-SUV | ~28.500 € | Bis zu 7 Sitze auf kleinem Raum möglich |
| ë-C4 / ë-C4 X | Kompaktklasse | ~34.000 € | Fokus auf Langstreckenkomfort (Crossover) |
| ë-C5 Aircross | Mittelklasse-SUV | ~42.000 € | Brandneu auf STLA-Medium Plattform |
| ë-Berlingo | Hochdachkombi | ~37.000 € | Die Ikone für Familien und Handwerker |
| ë-Spacetourer | Personenbus | ~53.000 € | Bis zu 9 Plätze, Fokus auf Shuttle-Dienst |


2. Technik im Detail: Plattformen & Batterien
Citroën nutzt die Synergien des Stellantis-Konzerns, setzt aber auf spezifische Hardware für den Komfort:
- Plattformen: Der ë-C3 basiert auf der kostenoptimierten „Smart Car“-Plattform, während der neue ë-C5 Aircross die moderne STLA Medium Architektur nutzt, die deutlich effizienter ist.
- Batterietechnologie:
- LFP (Lithium-Eisenphosphat): Wird vor allem im ë-C3 (44 kWh) verbaut. Vorteil: Günstig, robust und langlebig (viele Ladezyklen). Nachteil: Kälteempfindlicher.
- NMC (Nickel-Mangan-Cobalt): In ë-C4 und ë-C5 (54 kWh bis 73 kWh). Vorteil: Höhere Energiedichte und bessere Performance im Winter.
- Federung: Das Alleinstellungsmerkmal bleibt die Advanced Comfort Federung mit progressiven hydraulischen Anschlägen, die das typische „Schweben“ ermöglicht.
3. Software: Licht und Schatten
Die Software war lange die Achillessehne von Citroën. Mit der Einführung des neuen Infotainmentsystems (Citroën Drive Plus) im Jahr 2025 hat sich die Lage gebessert.
- Funktionalität: Das System reagiert flüssig, unterstützt kabelloses Apple CarPlay und Android Auto. Das Einstiegsmodell (ë-C3) verzichtet teilweise auf ein Display und nutzt das Smartphone des Fahrers als Zentraleinheit via App.
- Updates: Over-the-Air (OTA) Updates sind nun für die wichtigsten Systeme (Navi, Infotainment) Standard. Tiefgreifende Updates für das Batteriemanagement mussten in der Vergangenheit jedoch oft noch beim Händler durchgeführt werden.
- Kritikpunkt: Die Smartphone-App („MyCitroen“) gilt unter Nutzern weiterhin als instabil. Vorklimatisierung oder Ladestatus-Abfragen schlagen gelegentlich fehl.
4. Bekannte technische Probleme
Trotz technischer Reife gibt es Punkte, auf die Käufer achten sollten:
- Batteriemanagement-Software: Im Jahr 2024 gab es Rückrufe wegen Softwarefehlern, die im Extremfall zu Brandgefahr oder plötzlichem Leistungsverlust führten. Prüfen Sie bei Gebrauchtwagen unbedingt den Update-Status.
- Ladeleistung: Während 100 kW DC-Laden beworben werden, fällt die Ladekurve bei kühleren Temperaturen oft schnell ab, besonders bei den LFP-Modellen.
- 12V-Batterie: Ein klassisches Problem bei Stellantis-EVs – ist die kleine 12V-Batterie schwach, quittiert das gesamte System den Dienst, auch wenn der große Akku voll ist.
5. Verarbeitung und Qualität
Citroën spart gezielt, um die Preise niedrig zu halten. Das merkt man im Innenraum:
- Materialien: Viel Hartplastik, auch in Bereichen, die man oft berührt. Dennoch ist die Haptik durch Textil-Einsätze (z.B. am Armaturenbrett) oft wohnlicher als bei manchem Konkurrenten.
- Sitze: Die „Advanced Comfort“-Sitze sind hervorragend gepolstert, bieten aber wenig Seitenhalt – sie sind eher Sofas als Sportsitze.
- Geräuschdämmung: Hier punktet Citroën überraschend gut; die Fahrzeuge sind für ihre Preisklasse sehr leise abgestimmt.
6. Winter-Check: Wie schlägt sich der Stromer bei Kälte?
Der Winter ist die größte Herausforderung für Elektro-Citroëns:
- Reichweitenverlust: Bei Temperaturen um 0 °C sinkt die Reichweite beim ë-C3 (LFP) um ca. 30–40 %. Bei Modellen mit NMC-Akku und Wärmepumpe (oft optional) bleibt der Verlust mit ca. 25 % im Rahmen.
- Heizung: Ohne die optionale Wärmepumpe wird der Akku durch die elektrische Innenraumheizung stark belastet. Es empfiehlt sich, die Vorklimatisierung an der Wallbox zu nutzen.
- Laden: Der ë-C3 benötigt im Winter deutlich länger, um den Akku „aufzuwärmen“, bevor die volle Ladegeschwindigkeit erreicht wird.
7. Zukunftsausblick: Was ist geplant?
Für 2026/2027 steht die Konsolidierung an. Citroën plant:
- Günstigere Einstiegsversionen: Eine Version des ë-C3 mit kleinerem Akku (ca. 200 km Reichweite) für unter 20.000 Euro.
- Feststoffbatterien (Forschung): Stellantis testet bereits Festkörper-Akkus; bis diese jedoch in einem preisgünstigen Citroën landen, wird es vermutlich 2028/29 werden.
- STLA-Small: Die nächste Generation der Kleinwagen wird auf einer rein elektrischen Plattform stehen, was mehr Platz im Innenraum verspricht.
Fazit: Für wen lohnt sich ein Citroën EV?
Citroën hat es geschafft, die Elektromobilität zu demokratisieren. Der ë-C3 ist 2026 das Maß der Dinge für preisbewusste Käufer, die kein chinesisches Fabrikat fahren möchten.
Journalistisches Urteil: Wer „Lounge-Komfort“ statt „Nürburgring-Performance“ sucht und mit einer zweckmäßigen Materialauswahl leben kann, bekommt bei Citroën viel E-Auto fürs Geld. Die Software ist mittlerweile solide, aber die Winterperformance erfordert Planung. Ein Citroën kauft man nicht für die Status-Symbole, sondern für den entspannten, bezahlbaren Alltag.
© Text e-news.ch 2026 / © Bild Citroën

