Batterietechnik in der Elektromobilität

Stand, Kosten, Deutschland – und was als Nächstes kommt

Was heute State of the Art ist

  • Zellchemien: Zwei Familien dominieren: LFP (Lithium-Eisen-Phosphat) für kostengünstige, robuste Modelle und NMC/NCA für hohe Reichweite/Performance. LFP gewinnt weiter Marktanteile – getrieben von China – und holt technologisch auf. CATL zeigte 2024/25 LFP-Batterien („Shenxing“/„Shenxing Pro“), die extrem schnelles Laden adressieren (Herstellerangaben: rund 10-Minuten-Laden für mehrere hundert Kilometer).
  • Architektur & Produktion: „Cell-to-Pack/Moduleless“-Konzepte und standardisierte Zellformate senken Kosten und steigern Energiedichte auf Fahrzeugebene. VW/PowerCo führt 2025/26 eine „Unified Cell“ ein, die mehrere Chemien (u. a. LFP, NMC; perspektivisch festkörperfähig) aufnehmen soll.
  • Neue Pfade: Sodium-Ion gilt als kostengünstige Ergänzung für Einstiegs-EVs/Storage (geringere Energiedichte, günstige Rohstoffe). BYD meldete 2025 die Inbetriebnahme einer großskaligen Linie (30 GWh). Festkörper bleibt Pilotstadium, von großen OEMs eher „Ende des Jahrzehnts“.

Kosten: der entscheidende Hebel

  • Batteriepreise sind 2024 laut BloombergNEF um 20 % gefallen – auf 115 $/kWh (Pack-Preis, globaler Durchschnitt). Treiber: Rohstoffpreisrückgänge, LFP-Shift, Überkapazitäten, Skaleneffekte. 2023 lag der Wert noch bei 139 $/kWh.
  • Rohstoffe (v. a. Lithium) blieben 2024/25 volatil: Nach starkem Preisrückgang 2023/24 zeigen Märkte 2025 Zeichen einer Bodenbildung/Erholung. Das drückt und entlastet die Kosten zyklisch.

Einordnung: Mit ~115 $/kWh rücken viele Fahrzeugsegmente in die Nähe von Preisparität (Total Cost of Ownership) – besonders, wenn LFP genutzt und Produktions-/Logistikkosten optimiert werden.

Was bedeutet das für den Standort Deutschland?

  • Industrialisierung unter Druck, aber im Aufbau: VW-Tochter PowerCo baut in Salzgitter (Start 2025, zunächst 20 GWh Linienleistung; Ausbau abhängig von Nachfrage/Kosten). Weitere Standorte entstehen in Valencia (ES) und St. Thomas (CA). Die „Unified Cell“ soll bis zu 80 % der Konzern-EVs abdecken.
  • Wertschöpfung verbreitern: Neben Zellen braucht es Kathoden/Anoden-Materialien, Separatoren, Maschinenbau – klassische Stärken Europas/Deutschlands. Recycling wird zum strategischen Vorteil: Studien des Fraunhofer ISI zeigen, dass europäische Recyclingkapazitäten stark wachsen und perspektivisch den Bedarf übersteigen können (Wettbewerbsvorteil bei Sekundärmaterialien).
  • Regulatorischer Rahmen als Standortfaktor: Die EU-Batterieverordnung (EU) 2023/1542 gilt seit Feb 2024. Sie verlangt u. a. CO₂-Fußabdruck-Berichte ab Feb 2025, Sorgfaltspflichten und stufenweise Rezyklat-Quoten – das begünstigt transparente, nahe Lieferketten und schafft Markt für Recycling „Made in EU“.
  • Risiken: Temporär schwächere EV-Nachfrage in Europa belastet die Auslastung (z. B. Anpassungen bei VW), während asiatische Anbieter (BYD, CATL) mit Kosten-/Speed-Vorteilen drängen. Umso wichtiger: Skalierung, Automatisierung und zügige Genehmigungen.

Blick nach vorn: Prognose bis 2030

  • Nachfrage & Kapazitäten: Die IEA erwartet >3 TWh Batteriebedarf für EVs bis 2030 (STEPS). E-Lkw erreichen in großen Märkten bis 2030 Kostenwettbewerbsfähigkeit – das erhöht zusätzlich den Druck auf Zellkosten und Ladeleistung.
  • Technologie-Mix:
    • LFP wird im Volumensegment dominieren (Kostenvorteil, Schnellladen reift).
    • NMC bleibt für Langstrecke/Performance relevant (mit Silizium-Anoden-Anteilen für mehr Energiedichte).
    • Sodium-Ion skaliert zunächst in Einstiegs-EVs/Stationärspeichern; Festkörper ab späten 2020ern in Nischen/kleinen Serien, breiter in den 2030ern – sofern Lebensdauer, Kosten und Fertigungstakt passen.
  • Kostenpfad: Kurzfristig seitwärts durch Rohstoff-Zyklen möglich; strukturell aber weiter fallend durch Standardzellen, höhere Energie-/Volumendichten und Automatisierung. Unter 100 $/kWh auf Pack-Ebene bis um 2026/27 erscheint erreichbar, wenn Rohstoffe stabil bleiben – mit regionalen Unterschieden (Energiepreise, Löhne, Wechselkurse). Unsicherheitsfaktoren: Lithium-/Nickel-Preisschocks, Handelszölle, Nachfragepfad. (Einordnung gestützt auf BNEF-Trenddaten und IEA-Nachfrage.)
  • Deutschland/Europa: Erfolg hängt an Skalierungstempo (PowerCo & Co.), Energiepreisen, Fachkräften und Recycling-Integration. Gelingt die Serienreife zu internationalen Kosten, kann Deutschland mit hochautomatisierter Fertigung + Recycling eine robuste, regulativ abgesicherte Batterie-Wertschöpfung aufbauen – trotz harter Konkurrenz aus Asien.

Fazit

Die Batterietechnik ist 2025 in einer Kosten-/Skalierungsphase: Preise sind stark gefallen, LFP setzt den Benchmark, Ladezeiten schrumpfen. Für Deutschland ist das Fenster offen – aber es schließt sich, wenn Skalierung, Energie- und Genehmigungskosten nicht schnell wettbewerbsfähig werden. Gelingt der Dreiklang Unified-Cell-Industrialisierung, Recycling, regulativ gestützte Transparenz, dann bleibt der Standort Teil der globalen Spitze; andernfalls droht eine Abhängigkeit von Importen – mit entsprechenden industriepolitischen Risiken.

© Text enews.at 2025