Deutscher Autostandort in der Sackgasse?

Die 2035-Elektro-Wende zwischen Lobbyismus und Zukunftsangst

Berlin, 29. August 2025 – Der Countdown läuft: Ab 2035 dürfen laut EU-Regelung offiziell keine neuen Pkw mit CO₂-Emission (also klassische Verbrenner) mehr neu zugelassen werden – ein Meilenstein auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2050. Die deutsche Bundesregierung unterstützt das Ziel offiziell. Gleichzeitig aber versucht die Autoindustrie, den klassischen Verbrenner durch synthetische Kraftstoffe – sogenannte E‑Fuels – am Leben zu halten, was den Konflikt zwischen Umweltziele und wirtschaftlicher Existenzrettung offenlegt.

1. Die Faktenlage: Was regelt die EU ab 2035?

  • Ab 2035 gilt für Neuwagen eine Null‑CO₂‑Flottenzielvorgabe – faktisch ein Verbot für Benzin- und Dieselfahrzeuge.
  • Allerdings existiert laut Verordnung (Erwägung 11) die Möglichkeit, eine neue Fahrzeugklasse für CO₂‑neutrale Verbrenner (z. B. mit E‑Fuels) außerhalb des regulären Rahmens einzuführen.
  • Deutschlands Verkehrsminister Volker Wissing und die EU-Kommission hatten sich in einem deutsch-französischen Kompromiss 2023 darauf verständigt, dass Verbrenner mit klimaneutralem Kraftstoff auch nach 2035 möglich bleiben.

2. Industrie und Politik: Wer bremst, wer pocht?

  • Der Verband der Automobilindustrie (VDA) fordert eine faktische Rücknahme des 2035‑Verbots – etwa durch Reduzierung auf 90 % Emissionssenkung und Ausgleich durch ambitionierte E‑Fuel‑Ziele.
  • Im Vorfeld der Bundestagswahl 2025 lagerten CDU/CSU auf eine Aufhebung oder Flexibilisierung – auch durch E‑Fuel‑Förderung – während die SPD klar auf elektromobile Priorisierung setzt und E‑Fuels eher als „Nischenlösung“ sieht.
  • Dennoch missachtete die Bundesregierung im Oktober 2024 einen Vorstoß aus Italien, den 2035‑Stichtag vorzeitig zu überprüfen – sie warnte vor sinkender Planungssicherheit.
  • Auf EU-Ebene schlägt Manfred Weber (EVP) vor, den 2035‑Plan aufzuweichen – etwa durch Offset-Modelle oder den Einsatz von Hybriden und Range‑Extendern.

3. Gesellschaftlicher Schatten: Angst, Frust – und politischer Populismus

  • Kritik von Sigmar Gabriel, der das Verbot als „ruinös“ für deutsche Wirtschaft und Zulieferer bezeichnet – er warnt vor massiven Jobverlusten und verkennt die Effizienz moderner Diesel nicht.
  • Europaweit geraten Autostandorte unter Druck: Wired berichtet von Produktionsschieflagen, Konkursen wie bei Northvolt und einem europäischen Wettbewerbsvorsprung Chinas bei der preiswerten E‑Mobility.
  • Und: Viele Deutsche fühlen sich nicht abgeholt. Laut Umfragen lehnen zwei Drittel das Verbrenner‑Ende ab – eine heikle politische Realität.

Fazit: Ein zerfallener Kompromiss — zwischen Umweltverpflichtung und Industrieerhalt

Deutschland steht mitten im Spannungsfeld:

Umweltziele (EU-Firewall)Autolobby & BundespolitikerGesellschaft & Märkte
Verbotsregelung ab 2035 geltendE-Fuel-Option — Lobbydruck für FlexibilitätUnsicherheit, Branchenkrise
Offizielle Zustimmung des StaatesAnträge gegen Verbot, Forderung nach InnovationsfreiheitUmfragewerte zeigen Ablehnung

Das Ringen um die Zukunft der deutschen Automobilindustrie bleibt kein technisches Thema, sondern ein politischer Machtkampf in der Frage: Wollen wir die Vergangenheit verteidigen – oder die Zukunft gestalten?