Aufholjagd im Strom

Chinesische Elektromarken schaffen den Durchbruch in Europa

Marktanteil und Wachstum

Im ersten Halbjahr 2025 verzeichneten chinesische Automobilhersteller in Europa ein beeindruckendes Wachstum: Ihre Marktanteile stiegen nahezu auf das Doppelte – von rund 2,7 % auf 5,1 % – und näherten sich damit der Marke von Mercedes-Benz (5,2 %) an, während sie Ford (3,8 %) bereits überholten. In Europa wurden allein im Juni rund 347.000 Fahrzeuge chinesischer Marken verkauft – ein Zuwachs von 91 % gegenüber dem Vorjahr.

Wachstumsfahrer und Erfolgsmodelle

Die Expansion wurde maßgeblich von fünf Marken vorangetrieben: BYD, Jaecoo, Omoda, Leapmotor und Xpeng. BYD allein steigerte die Verkaufszahlen um 311 % auf 70.500 Einheiten und setzte damit ein klares Ausrufezeichen. Zudem wurde der BYD Seal U im europäischen Plug-in-Hybrid-Segment im Juni zweitstärkstes Modell, gleich hinter dem VW Tiguan, und drittstärkstes Modell im ersten Halbjahr.

Im Premiumsegment ist Xpeng besonders erfolgreich: 8.338 Registrierungen im ersten Halbjahr 2025 – getragen durch die hohe Nachfrage nach dem SUV Modell G6 (5.615 Einheiten).

Rahmenbedingungen und Strategien

Der Erfolg wurde möglich trotz rückläufigem Gesamtmarkt: Im Juni gingen die europäischen Neuwagenzulassungen um 4,4 % im Jahresvergleich zurück, der Gesamtmarktverlust im ersten Halbjahr lag bei 0,3 %. Gleichzeitig wächst der BEV-Markt weiter: Zum ersten Mal wurden im ersten Halbjahr über eine Million batterieelektrische Fahrzeuge (BEVs) registriert, die einen Anteil von 17,4 % am Gesamtmarkt erreichten.

Günstige Preisstrategie und vertikale Integration

Chinesische Hersteller punkten mit Preisvorteilen – verursacht durch vertikal integrierte Lieferketten, hohe Fertigungskapazitäten in China und Kostenvorteile bei Batterieproduktion.

BYD sorgte zusätzlich für Schlagzeilen, indem das Unternehmen eine eigene Flotte von Roll-on‑Roll-off‑Schiffen einsetzte, um direkt nach Europa zu liefern – eine ausgeklügelte Logistiklösung, die Lieferverzögerungen entgegentritt.

Handelsbarrieren und lokaler Aufbau

Trotz der Tarifbelastung zeigte sich eine robuste Expansion: Im Mai erreichten chinesische Marken bereits 5,9 % Marktanteil in Europa. Die EU reagierte mit Anti-Subventionsuntersuchungen und Zollaufbesserungen, etwa bis zu 38 % auf SAIC‑Fahrzeuge – dennoch setzen Hersteller wie GAC auf PHEVs und lokale Produktion als Gegenstrategie.

Ausblick 2025 – Chancen und Herausforderungen

Stärke durch Tempo – und Schwäche durch Anpassungsdruck

Chinesische Hersteller demonstrieren 2025 ihre Schlagkraft: Sie liefern Vielfalt von günstigen Stadtfahrzeugen bis hin zu Premium-SUVs – mit aggressiven Preisstrategien, Innovationsdruck und hoher Produktionsflexibilität. Damit setzen sie europäische Wettbewerber wie Stellantis und Mercedes unter spürbaren Druck.

Langfristige Perspektiven

Zölle, geopolitische Spannungen und Marktreaktionen könnten die Dynamik bremsen. Dennoch planen Hersteller wie Xiaomi bereits den Markteintritt ab 2027. Die EU könnte Bestimmungen zur Technologie-Übertragung und lokale Fertigung verschärfen.

Bestandsfestigkeit europäischer Hersteller

Europäische Automarken können sich auf Markenbindung, Händlernetz und Innovationskooperationen stützen – langfristiger Erfolg setzt jedoch tiefgreifende Reformen und strategische Weichenstellungen voraus, um nicht weiter Marktanteile zu verlieren.

Fazit

Im Jahr 2025 ist klar: Chinesische Automarken haben sich in Europa etabliert – mit double-digit-Wachstum, schnell wachsendem Marktanteil und strategischer Cleverness. Während sie ihre Präsenz durch günstige Preise, breite Modellauswahl und Innovationskraft laufend ausbauen, muss sich Europa neu aufstellen. Für den weiteren Verlauf des Jahrzehnts gilt: Die Zukunft entscheidet sich durch Anpassungsfähigkeit – bei Strategien, Produktion und politischer Gestaltung.